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TEXTE 19

Der Prawerplan und die Judaisierung
Felix Black,  2. Teil

Vor zwei Wochen, Ende April, zwang die israelische zivile Polizei Yassam das Beduinendorf Al-Araqib zum 49. Mal zu zerstören. Die arabischen Beduinen sind Einheimische in der Negevwüste, nachdem sie seit dem 7.Jahrhundert dort leben. Doch nach israelischem Gesetz sind sie keine (isr.) Einwohner. Das Gesetz bestimmt, dass unkultiviertes Land  dem Staat vermacht werden muss, wenn es gefordert wird. Der  ehemals wandernde Lebensstil der Beduinen bedeutet nicht, ein Recht auf das Land zu haben. Doch die Beduinengemeinschaften  sind seit dem 16. Jahrhundert nur mehr begrenzt umherziehend, sondern fast ortsansässig auf privat besitzenden Grundstücken und kollektiv benützten Weiden, die historisch festgelegt sind.

Nach der Nakba 1948 wurden 81000 Beduinen zwangsweise aus der Wüste vertrieben. Davon wurden 11 000 gezwungen, in sog Siyag (Eingezäunt) zu ziehen, eine  begrenzte Zone im nördlichen Negev. Innerhalb dieses Gebietes leben zwei Gruppen; Die intern vertriebenen Beduinen von irgendwo in der Negev und die ursprünglichen Beduinenbewohner innerhalb des neu bestimmten Siyag. Sie leben in 35 nicht anerkannten Dörfern und in 7 Townships, die vom Staat Israel seit 1969 erbaut wurden. Es gibt nur ein Beduinendorf, das irgendwo in der Negev liegt.

Al-Araqib ist eines der 35 nicht anerkannten Dörfer im Siyag. Die Polizei hat ständig seit Juli 2010 Al-Araqib zerstört und so versucht, die Bevölkerung zu zwingen, in die Townships zu ziehen. Nach jeder Zerstörung bauten die ca 300 Bewohner provisorische  Bauten auf dem Dorffriedhof wieder auf, dem einzigen Stückchen Land, das von den israelischen Soldaten unberührt blieb. Seitdem haben die Dorfbewohner stolz ihre Hütten aus den zurück gebliebenen Trümmern  wieder aufgebaut.

Da der israelische nationale Dialog mit den Palästinensern immer genocidaler wird, hat sich eine palästinensische Gesellschaft innerhalb von Widerstandsnestern entwickelt, die den Kampf benötigt, um als ein vereintes Ganzes genommen zu werden.

„Zuerst  fordern die Soldaten uns auf, aus den Hütten zu gehen“ sagte Aziz al-Tori, der Sohn von Al-Araqibs Scheich Siyakh al Tori.“ Sie sagten uns, wenn wir sie bekämpfen und einen Konflikt mit der Polizei und unserm Volk machen wollen….. Aber wir wissen, dass dies in ihrem Interesse liege. Sie wollen. dass wir unsere Hände hoch heben und unsere Hütten verlassen.“

„Noch stoßen und ziehen sie uns zur Seite,“ und Azis berichtet weiter über die letzte Zerstörung. „Sie fragten uns nach unsern isr. Pässen. Sie stießen uns auf den Friedhof, und dann kamen sie mit ihren Bulldozern und zerstörten alles.“

Die Zerstörungen werden im Auftrag des  Prawer-Plans durchgeführt, einem  zweideutigen Stück von  Gesetzgebung, damit das  Strukturgewebe mit dem Ziel verbunden wird, die Beduinen aus ihrem altheimatlichen Gebiet zu vertreiben. In seinem Kern ist es ein Versuch, so viele Dörfer wie möglich anzuerkennen, indem man die nicht anerkannten Dörfer zerstört. Der Prawer-Plan, eine Erweiterung des ursprünglichen Plans, ist der mechanische Arm von Prawer mit dem Ziel, das  Beduinen“Problem“ innerhalb der nächsten 5 Jahre zu lösen.

„Der Prawer-Plan ist  vage“ sagt Oren Yiftachel. „die Gesetzvorlage ist sehr rückschrittlich und sollte gestoppt werden. Die UN und die EU haben sich dagegen ausgesprochen. Die Regierung muss mit einem neuen Plan kommen, der sich auf Gleichheit und Anerkennung gründet.  Nur dann wird der Negev beginnen zu gedeihen.“

Vor Ort werden die Zerstörungen von der Israel Landverwaltung (ILA) verordnet  und koordiniert. Sie hat die Kontrolle über 93% des Landes innerhalb Israel.  Die ILA spricht sich mit dem Jüdischen Nationalfond (JNF), einer fast Regierungsorganisation  ab, die  seit 1901 palästinensisches Land für jüdische Siedlungsprojekte  erwirbt – und alles unter dem Vorwand der Aufforstung und der Landregelungsprojekte. Die  JNF hat 50% der Vertretung innerhalb der ILA. Während es technisch 13% des Landes Israel besitzt, hat es  tatsächlich über viel mehr die Kontrolle.  Zusammengefasst ist die ILA eine Regierungskörperschaft, die für die Israelis arbeitet.  Der JNF ist eine quasi Regierungskörperschaft, der dahingehend wirkt, dass  es  Land nur für Juden ist. So geschieht die Verbindung zwischen  Ethnie (Rasse) und  Bürgerschaft  in Israel deutlicher als in andern Ländern

Deshalb geschieht  abgesehen vom  Zerstören ihrer Wohnstätten, dem Nicht-Anerkennen ihrer Existenz, der Verweigerung ihrer Rechte auf Staatsdienste (Bildung, Straßen, Wasser…) das Konfiszieren von 66% des Landes von Al-Araqib durch den israelischen Staat, um zwei große Wälder anzulegen.

Susiya hat eine ganz ähnliche Geschichte. Die 350 Bewohner leben in der Zone C, in der Nähe der 30 Jahre alten Örtlichkeit von Suseya, eine nur jüdische Siedlung. 70% von Susiyas Land ist konfisziert worden. Auf den andern 70%  stehen Bauten, die zerstört werden sollen, weil die israelischen Behörden  angeblich vermuten, es sei ein archäologischer Ort. Siedler führen gegen die Dorgbewohner häufig physische und psychische Gewalt vollkommen straflos aus.

 

Vertreibung in getrennten Gebieten durch dieselbe politische Macht

 Mit 70 000 Beduinenbürgern Israels, die zwangsweise nach dem Prawer-Plan vertrieben und 5000 Westbankbewohner, denen Vertreibung aus Zone C blüht, ist es für viele offensichtlich, dass diese beiden  zwangsweisen Vertreibungen mit einander verbunden sind. Doch der wachsende Konsens bei Adalah  wie bei andern Rechtsorganisationen  ist, dass die Verbindung Teil des palästinensischen Dialogs wird und innerhalb der öffentlichen Bereichs besteht. .

„Wir begannen eine Kampagne, um den Prawer-Plan zu stoppen. Danach kamen wir überein, eine ähnliche Kampagne in der Westbank zu beginnen: „Stand with Susiya“ . Wir dachten dies wäre sehr interessant, besonders weil die beiden Orte nur 15 km voneinander entfernt liegen,“  erklärte Nadia Ben Youssef, die Beraterin für Adalah in ihrem Negev-Büro. „ Wir begannen zu suchen, wo die Dinge anders liegen. Prawer suspendierte  Verfassungs-prinzipien, doch gab es auch einen Aufschub des Internationalen Humanitären Gesetzes, das jeden überall beschützt.“

Zunächst versuchte Adalah, die Kluft zwischen dem augenblicklichen Dialog und dem  Potential für in  einem neuen Rahmen verbundener Narrative zu überbrücken, indem eine Diskussion mit  Vertretern der zivilen Gesellschafts-Organisation im September 2012 gehalten wurde. Die vor und nach der Dokumentation gehaltenen Reden arbeiteten mit dem Meta-Narrative zwischen den Palästinensern der 1967er und 1948er-Gebiete, und die Idee der gemeinschaftlichen Aktionen wurde sogar freigegeben; aber der allgemeinen Atmosphäre fehlte ein klares Verständnis für die fundamentale Veränderung, die diese Partnerschaft öffnen könnte.

„Es ist dieselbe Gruppe, die Susiya und al-Araqib zerstört,“ stellte Azaz al-Tori fest.“Es ist dieselbe politische Idee. Alles ist dasselbe.“

(dt. Ellen Rohlfs)

Verantwortlichkeit von Israels Sicherheitskräften

http://www.yesh-din.org/postview.asp?postid-263

Seit September 2000 hat der israelische Militärgerichtshof  nur sechs Soldaten am Tod von Palästinensern für schuldig befunden.

Ziv Stahl, Direktor von Yesh Din-Untersuchungsabteilung gab zu seinen Untersuchungen folgenden Kommentar: „Praktisch zeigt die aktualisierte Statistik, dass  die Wahrscheinlichkeit, dass ein Soldat, der ungerechtfertigt einen palästinensischen Zivilisten tötet, untersucht werden wird,  geschweige denn bestraft wird, sehr gering ist. . Das gibt es nicht.  Diese Realität ermutigt Soldaten die gesetzlose Anwendung  von Waffen, sogar bei klar zivilen Situationen wie bei Demonstrationen,“

Die Menschenrechtsorganisation Yesh Din veröffentlichte heute die aktualisierte Statistik hinsichtlich der Untersuchungen durch die Verbrechens-Untersuchungs-Abteilung (MPCID) der Militärpolizei, und zwar die Umstände um den Tod von Palästinensern seit September 2000 als auch die Zahlen der Schuldigerklärungen und Verurteilungen in Bezug auf diese Unfälle. Nach den Zahlen von B’tselem sind etwa 5000 Palästinenser getötet worden, datiert von den israelischen Sicherheitskräften in den Besetzten Gebieten seit Beginn der 2. Intifada im September 2000. Zahlen die an Yesh Din vom IDF-Sprecher weitergegeben wurden, zeigen, dass  die MPCID über 179  strafrechtliche Untersuchungen in der Zeit von 2003 -2013 eröffnet hat, die das verdächtige Töten von palästinensischen Zivilisten durch IDF-Soldaten bestrafen – aber nur 16 dieser Akten führten zu Anklagen.

Der kürzliche  Bericht der Turkel Kommission diskutierte im Einzelnen die problematische Natur der Politik, die seit Beginn der 2.Intiada bis vor kurzem praktiziert wurde,  bezüglich der Eröffnung der strafrechtlichen Untersuchungen. Das Ergebnis dieser Politik war, dass die MPCID nur die Untersuchungen einer kleinen Zahl von Fällen, die in das Töten von Palästinensern durch Soldaten verwickelt waren, eröffnete. Die heute veröffentlichten Zahlen zeigen, dass öffentliche Anklagen nur einer Handvoll Untersuchungen dienten, die in den Tod der Palästinenser verwickelt waren. Die Zahl der Beispiele, in die IDF –Soldaten seit 2000 als für den Tod von Palästinensern  überführt worden sind, ist außerordentlich klein.

Nur 16  der Untersuchungsinterlagen über Unfälle, in denen Palästinenser getötet wurden, führten zu  öffentlichen Anklagen. Bei diesen Anklagen wurden im Ganzen 21 Soldaten beschuldigt mit Delikten, die sich auf den Tod von 18 palästinensischen Zivilisten und einem Ausländer beziehen. Einige der Angeklagten wurden  mit Delikten beschuldigt, die sich eher auf die Unterbrechung der Untersuchung bezog als auf das Vergehen des Tötens selbst. Die Militärgerichte klagten letzten Endes 7 Soldaten  der Gesetzesübertretung  an dem Tod der sechs Zivilisten – fünf Palästinensern und einem britischen Bürger. Zwei andere Soldaten wurden  der Gesetzesübertretung überführt, die sich auf einen Versuch bezog, den Verlauf der Justiz im Rahmen dieser Prozesse zu verdrehen.

(dt. Ellen Rohlfs

 

Gaza: Israelische Armee tötet palästinensischen Zivilisten in Grenznähe

Durch den übergrossen Einsatz von tödlicher Gewalt wurde ein palästinensischer Zivilist am Montag, den 30. September 2013, von der israelischen Armee in der Nähe des Grenzzaunes im Norden Gazas getötet und ein zweiter Mann verletzt, bevor er festgenommen wurde, berichtete das Palästinensischen Zentrums für Menschenrechte [Palestinian Centre for Human Rights – PRCS] am 2. Oktober 2013.

Nach Untersuchungen des PRCS und Aussagen von Naim Khalil, einem Sanitäter des Palästinensischen Roten Halbmondes [Palestinian Red Crescent Society – PRHS] waren gegen Viertel nach sieben Uhr abends Artilleriegeschosse, Schockgranaten und anschliessend schweres Gewehrfeuer vom Grenzzaun östlich von Beit Hanoun im Norden Gazas zu hören. Gegen acht Uhr informierte das Internationale Rote Kreuz [International Committee of the Red Cross – ICRC] die PRCS in Jabalia, dass der Körper eines  palästinensischen Zivilisten in Grenznähe liege. Nach der Koordinierung mit der israelischen Seite fuhr eine Ambulanz des PRCS in das Grenzgebiet und die Sanitäter begannen die Suche. Nach etwa 20 Minuten fanden sie den Getöteten, etwa 400 Meter vom Grenzzaun entfernt auf dem Bauch liegend. Das Opfer hatte mehrere Schusswunden im Rücken und eine Kugel im Hinterkopf. Er trug Zivilkleider und hatte keine Ausrüstung. Die Suche wurde bis zehn Minuten vor zehn weitergeführt, weil den Sanitätern gesagt worden war, dass ein zweiter Mensch in der Nähe war. Sie konnten niemanden finden und wurden schliesslich von ihrem Direktor angerufen und und zum Verlassen der Umgebung aufgefordert, weil der zweite Mann nicht mehr dort sei. Die Ambulanz brachte die Leiche zum Kamal Odwan -Krankehaus in Beit Lahia, wo das Opfer identifiziert wurde: Hweishel Ismael Hweishel Hanajra, 35 Jahre alt, aus dem Al-Bureij Flüchtlingslager im Zentrum des Gazastreifens. Die Familie des Opfers berichtete dem PCHR, dass der Sohn wegen seiner schwierigen Lebensumstände in Richtung Grenze aufgebrochen war, um Arbeit in Israel zu finden. Das PRCS erhiet Berchte, dass die israelische Armee unmittelbar nach dem Vorfall in die Grenzzone eingedrungen war und einen verwundeten Mann gejagt und festgenommen hatte. Nach Auskunft des ICRC ist der Verhaftete Subhi Hussein Salem Abudib, 36 Jahre alt, aus dem Al-Bureij Flüchtlingslager. Das Artilleriefeuer verursachte auch Schaden an einem verlassenen Haus im Besitz von Musleh Al-Arabin, das etwa 700 Meter vom Grenzzaun steht. U.a. wurden vier Wassertonnen beschädigt und Vögel und ein Esel getötet. Nach Einschätzung des PHRC reflektieren diese Verbrechen den fortgesetzten Einsatz von exzessiver Gewalt gegen palästinensische Zivilisten ohne Rücksicht auf ihr Leben. Das PHRC weist daraufhin, dass die Inflitrationen durch den Grenzzaun Gazas aufgrund der Strangulierung der Wirtschaft durch Israels Blockade wiederholt vorkommen.

Das PHRC fordert die internationale Gemeinschaft zu sofortiger und effektiver Aktion zur Beendigung dieser Verbrechen auf und wiederholt seinen Aufruf an die Parteien der Vierten Genfer Konvention von 1949, ihre Verpflichtungen unter Artikel 1 zu erfüllen, d.h. die Konvention unter allen Umständen zu respektieren bzw. den Respekt dafür sicherzustellen; unter Artikel 146 sind die Parteien verpflichtet, Personen zur Rechenschaft zu ziehen, die schwerer Brüche gegen die Vierte Genfer Konvention angeklagt sind.

Hunderte von Palästinensern hielten am Montag ein wöchentliches Sit-in für Palästinenser in israelischer Haft vor dem Büro des ICRC in Gaza Stadt ab. Seit 1995 versammeln sich Familien und Freunde regelmässig, um die zur Zeit über 5000 palästinensischen politischen Gefangenen in Israels Haft zu unterstützen. 422 politischen Gefangenen kommen aus Gaza, 4646 aus dem restlichen besetzten Palästina.

Vom 22. November 2012 bis zum Februar 2013 wurden vier  Palӓstinenser in der Grenzzone Gazas von der israelischen Armee getӧtet, 91 Menschen wurden verletzt; die Armee drang 13 Mal in Gaza ein und die israelische Marine griff palӓstinensische Fischer 30 Mal an. Am 30. April 2013 wurde ein 26-jӓhriger Palӓstinenser im Nordwesten Gazas von einer von einem israelischen Kampfflugzeug abgefeuerten Rakete getӧtet.

http://palsolidarity.org/2013/10/35291 
http://palsolidarity.org/2013/10/photos-detainees-families-and-supporers-hold-weekly-vigil-in-gaza-red-cross/ http://farmingunderfire.blogspot.ca/2013/08/list-of-palestinians-shot-by-iof-in.html

Übersetzt von Martina Lauer

 Seelenqual religiöser Araber: der „arabische Frühling“ wird zur sektiererischen  Gegenrevolution.
Nicola Nasser

Das blinde sektiererische Randalieren, das zu einem Krieg  gegen Moscheen, Kirchen und Heiligen Stätten wurde, ist zu einem modernen arabischen Phänomen einer Handelsmarke geworden, besonders seitdem die westlichen Medien dies von Anfang an „arabischer Frühling“ nennen  und die arabischen Straßen bestürmen.

Das sektiererische  Randalieren  fegt in seiner Wut kulturelle Schätze der Archäologie und Geschichte weg, beschädigt schwer die Grundlagen der arabischen und islamischen Identität der Region, aber noch wichtiger ist die Qual der arabischen und christlichen Gläubigen, die hilflos den sicheren Ort ihrer Gottesdienste beobachten und wie er geschändet, beraubt, gebombt, dem Erdboden gleich gemacht wird und zu Todesfallen und Monumente der Zerstörung durch die „Selbstmord“-Attentäter verwandelt werden , die dazu „Gott ist groß“ schreien.

Der einzige regionale Vorgänger der Zerstörung von Gottesdienstorten in solch einem Ausmaß war während der Entstehung des Staates Israel 1948: Die Zerstörung von etwa tausend Moscheen. Von einer Untersuchung durch den israelischen Professor Ayal Banbanetchi , berichtet Rapaport,  nach 1948 seien nur 160 Moscheen in dem Gebiet  geblieben. In den folgenden Jahren schrumpfte die Zahl auf 40, was bedeutet, dass 120 Moscheen zerstört worden waren. Die Palästinenser im Gazastreifen dokumentierten die Namen und Örtlichkeiten von 47 Moscheen, die vollständig zerstört wurden und 107 andere, die  durch israelische Luftangriffe während der Operation Cast Lead 2008  teilweise beschädigt wurden.

Weil vielleicht  diese Verbrechen  unbestraft blieben, wendet sich die westliche Meinung von dem neuen arabischen Phänomen ab.

Die Führer der israelischen, fundamentalistisch jüdischen „ Tempelberg und Land Israel-Getreuen-Bewegung“, beobachten wahrscheinlich sehr genau und fragen sich, ob die augenblickliche Zerstörung von Moscheen von den Muslimen selbst, genügend Rechtfertigung sein würde, um die öffentliche Drohung  der Bewegung auszuführen, einen „dritten Tempel“ auf den Resten der Al-Aqsa-Moschee zu bauen – des Islams drittheiligster Stätte in Jerusalem.

Es ist bemerkenswert, dass dieses zerstörerische Phänomen ein integraler Teil des „arabischen Frühlings“ ist, der bis jetzt  zwei Präsidenten in Ägypten und drei andere in Tunesien, dem Jemen und Libyen abgesetzt, aber die marokkanische und jordanische Monarchie erhalten haben.

Doch ist die Bemühung  bis jetzt im Königreich von Bahrain ohne Erfolg geblieben, wo die anhaltende Anti-Regierungsmassenproteste soweit uneindämmbar weiterwüten, dass das winzige Inselkönigreich gezwungen war, ein Saud-Arabisches Kontingent der GCC’s Halbinsel Militärmacht um Hilfe zu rufen. Nichtsdestotrotz berichteten  Oppositionsquellen und das Bahrain-Zentrum für Menschenrechte Angriffe auf 37 schiitische Moscheen durch das „herrschende Regime“.

Islamistische Kopie christlicher Inquisition

Der „Arabische Frühling“ wurde optimistisch nach einer Natursaison genannt, in der das Leben  angeblich verspricht, das stagnierende politische, soziale und wirtschaftliche Leben in der arabischen Welt zu neuem Leben zu erwecken. Aber leider wurde es stattdessen zu einer sektiererischen Saison des Tötens, des Todes und der Zerstörung durch konterrevolutionäre Kräfte, die finanziell, logistisch, militärisch und politisch durch die konservativsten  arabisch regierenden Regime auf der arabischen Halbinsel und ihrer US geführten westlichen Sponsoren und Unterstützer unterstützt wurden.

Die sektiererische Reinigung im Irak und Syrien , die von den ausschließenden sektiererischen Zeloten eine islamistische Kopie der europäisch christlichen Inquisition des Mittelalters geworden ist  -mit dem Unterschied, dass die alten Europäer durch den Vatikan und seine verbündeten Staaten systematischer und organisierter waren, während diese Reinigung von unkontrollierten, sporadischen und unbestimmten Terrorbanden im modernen arabischen Fall durchdrungen ist.

 Die Tatsache, dass dieses schreckliche Phänomen nur mit der von den USA-angeführten Invasion, dann  durch die  Besatzung  des Irak 2003  lebendig  und die weitere US-Kampagne- über einen „Regime-Change“-Bericht in Syrien verschärft wurde. Dies kann nur als  Folge einer vorsätzlichen Politik sein, die arabische Welt zu teilen und zu beherrschen.

Am 24. August sprach der Maronitische Patriarch Behara Boutros al Rai’e im Radio Vatikan:  „Es gibt einen Plan, die arabische Welt aus politischen und wirtschaftlichen Interessen  zu zerstören und den interkonfessionellen Konflikt zwischen Sunniten und Schiiten  anzukurbeln.  Er fügte hinzu:“ wir sehen die totale Zerstörung von dem, was Christen in 1400 Jahren bei friedlichem Zusammenleben und bei Koexistenz mit Muslimen aufgebaut haben.“

Diese Interpretation ist z.B. durch die Tatsache gerechtfertigt, dass die beiden sektiererisch herrschenden Antagonisten, die im Irak  durch die einfallende US-Armee zur Macht gebracht wurden und die mit den Al-Qaida verbundenen-Protagonisten, deren Präsenz im Irak zufällig mit der US-Besatzung des Landes zusammenfiel. Sie begannen einen sektiererischen Terrorkrieg , um sie von der Macht zu drängen. Beide waren von den US gemachte Krieger, die ersten als die „demokratische Opposition“ gegenüber der nationalen „Diktatur“ des verstorbenen Saddam Hussein und die zweiten als „Freiheitskämpfer“  gegen die militärische Besatzung Afghanistans durch die frühere Sowjetunion, gemäß der US-Propagandaterminologie, dem  „Reich des Bösen“.

Die AFP im Irak berichtete am 20. Mai, dass ein „Krieg gegen Moscheen weiter  wütet“. Sieben Jahre vor der Bombardierung der Kuppel der schiitischen Al-Askari-Moschee in Samarra oder der Goldenen Moschee, folgten innerhalb von zwei Tagen die Angriffe auf mehr als 200 sunnitische Moscheen, entsprechend der UN-Mission des Landes. Dies ist tatsächlich ein Bürgerkrieg – aber die Saat wurde  während der US-„Operation-Wut- Phantom“ 2004   bei dem ausgelöst, was die Iraker  „die Stadt der Moscheen“  von Falluja nennen, wo eine Menge Moscheen durch die Amerikaner  vollkommen zerstört  oder beschädigt wurden.

Die Not der christlichen Irreführung  herausheben

Die westlichen Hauptmedien  schenken bei diesem blinden Randalieren der Not der arabischen Christen besondere Aufmerksamkeit, obwohl ihre Not nicht  mit der  ihrer muslimischen Landsleute zu vergleichen ist, weder in der Zahl noch was den Umfang des Phänomens noch die menschlichen, sozialen, politischen, kulturellen und materiellen Verluste zur Folge haben.

In den Golf-Nachrichten vom 11. September  (2013) schrieb Dr Joseph A. Kechichian: „Es  war unmöglich  das Schicksal der arabischen Christen von dem ihrer muslimischen Brüder zu trennen, ein Ausdruck, der hier im Sinn von Mitbürgern gemeint ist weniger als Bruderschaft. Als irakische, ägyptische und jetzt syrische Kirchen zerstört wurde/werden, ist es tatsächlich nötig, auch zu bemerken, dass sunnitische und schiitische Moscheen auf regelmäßiger Basis zerstört werden und wurden.

Im Irak wurden  z.B.  seit der US-Invasion 2003  mehr als 60 Kirchen angegriffen, doch auf  mehr als 400 muslimische Moscheen wurde  gezielt. Schätzungsweise  sind zwei Drittel von Iraks 1,5 Millionen Christen gezwungen worden, aus dem Land zu fliehen, aber vier Millionen irakische Muslime wurden zu Flüchtlingen im Ausland und ein paar Millionen mehr sind zu internen Flüchtlingen geworden –als Folge der sektiererischen Säuberungskampagne. Der Patriarch al-Rai‘e klagte die internationale Gemeinschaft wegen ihres „totalen Schweigens“ über den Irak an.

Doch im Verhältnis sind jetzt die arabischen Christen eine bedrohte Minderheit.

In einem Schreiben in Foreign Affairs am 13.September erwartet Reza Asian  „ in ein oder zwei Generationen keine bedeutsame christliche Präsenz mehr  im Nahen Osten“, weil „das, wovon wir jetzt Zeugen werden,  nichts weniger als eine regionale religiöse Säuberung ist, die bald beweisen wird, eine historische Katastrophe für Christen und  gleichermaßen für Muslime zu sein.“

Am 16. September wurde in der Stadt Mezda, südlich von Tripoli, das Grab und Minarett der Scheich Ahmad al-Sunni-Moschee bombardiert, ein Friedhof wurde aufgegraben. In der Hauptstadt, in Tripoli selbst detonierten im März in der Muslim-Sufischen alten Grabstätte von Sidi Mohammed al-Andalosi ferngezündete  Bomben. Diese „Vorfälle“ waren die letzten sektiererischen Randale. Im letzten Jahr berichtete die New-York-Times am 25. August, dass eine Moschee, die Sufi-Gräber enthielt, bei vollem Tageslicht mitten in der libyschen Hauptstadt mit Bulldozern platt gemacht wurde. Eine Moschee-Bibliothek wurde einen Tag vorher in Brand gesetzt …UNESCOs Generaldirektor Irina Bokova warnte, die Angriffe müssten gestoppt werden, wenn die libysche Gesellschaft den Wandel zur Demokratie vorhat.

Im Januar dieses Jahres  verkündete die „revolutionäre“ Regierung Tunesiens einen „Not“-Plan, um die Sufi-Mausoleen vor ähnlichem Vandalismus zu schützen ….34 Grabstätten der Sufis sind schon angegriffen worden …

In Ägypten hat UN-Generalsekretär Ban Ki-Moon hat die kürzlichen Angriffe auf Moscheen und Kirchen „unannehmbar“ bezeichnet.  In letzter Zeit wurde wenigstens 42 christliche Kirchen  angegriffen, 37 in Brand gesetzt und geplündert.

Der britische Guardian berichtete am 16. September: „Nach  Delga zu den Christen kamen große Mobmengen mit Macheten und Gewehren und griffen  Dutzende koptischer Besitztümer an einschließlich des 1600 Jahre alten koptischen Klosters  der Virgin Mary und St. Abraam,“ zündeten drei der fünf Kirchen der Stadt an, plünderten alles, töteten einige Kopten und zwangen viele christliche Familien, aus der Stadt zu fliehen. Und die die blieben, waren gezwungen, ein „Schutzgeld“ zu zahlen. Nach mehr als zwei Monaten eroberten die Behörden die Stadt wieder und so endete ihre Tortur. …

Delgas Geschichte war nicht die letzte noch die längste oder widerlichste oder größte der blinden sektiererischen Brutalitäten. Diese gehen täglich  im Irak und in Syrien weiter . Und es ist nicht vorauszusehen, wann dies in die benachbarten Länder des Libanon und nach Jordanien schwappt als auch in nicht-arabische Länder und in den NATO-Staat Türkei.

1.und 2.Teil: dt und gekürzt: Ellen Rohlfs   3. Teil folgt)

 

Von Al-Araqib nach Susiya
Felix Black 12,5.13

Am 26. April  wurde der Dokumentarfilm der Menschenrechtsarbeiter des Adalah Rechtszentrum nach  Zeugenaussagen der Bewohner  „Von Al-Araqib nach Susia ausgestrahlt.

Al-Araqib liegt etwa acht km nördlich von Beersheba in der Negev-Wüste, während Susija innerhalb der Waffenstillstandlinie von 1949, der Grünen Linie liegt  - 6km südöstlich von Yatta in den südlichen Hebronhügeln.

Der 20 Minuten lange Film befasst sich mit den Ursachen und so auch mit den Ähnlichkeiten zwischen der erzwungenen Vertreibung jedes Dorfes  und versucht, das Verständnis für eine lange währende Tatsache zu wecken : es gibt nur ein System der Apartheid und nur eine Besatzung.

Die Zuschauer – etwa 100  Palästinenser aus beiden Gebieten und mitten unter ihnen jüdische Israelis und Internationale waren mit einem bestellten Bus von A-Araqib durch einen Checkpoint in den Südhebroner Hügeln gekommen und schauten sich den Film in Susiya an. Das Konzept und der Impetus für den Dokumentarfilm kam von den Mitarbeitern von Adalah, dem Rechtszentrum für die arabischen Minderheitenrechte in Israel, zusammen mit vielen zivilen Gesellschaftsorganisationen und einigen bedeutenden  Akademikern , einschließlich Oren Yiftachel.

„Es gibt einige rechtliche Unterschiede( zwischen Zerstörungen und Konfiszierung von Land in beiden Dörfern), aber die verantwortlichen Behörden vertreten dieselbe Macht und wenden ähnliche Methoden an,“ erklärte Yiftachel. „Die Beduinen in der Negev haben israelische Staatsbürgerschaft,  aber das hat den Staat nicht daran gehindert, ihre Rechte grob zu verletzen. Susiya liegt hauptsächlich in dem Gebiet, das als Teil von Zone C  judaisiert werden soll. Beide Dörfer liegen in Schlüsselgegenden , in denen  Widerstand gegen die Kolonisierung geleistet wird.

Der Film ist ein radikaler Versuch,  wenn auch innerhalb eines pseudo-legalen Rahmens, ein wachsendes Gefühl unter vielen Palästinensern auszudrücken und zu beleuchten, dass die Besatzung nicht mehr zweideutig und geschickt zwischen den Gebieten von 48 und 67 geteilt ist, und die Erkenntnis  dass es von Anfang an „eine Besatzung“  gewesen ist. Viele haben dies vorher zum Ausdruck gebracht. Doch als israelischer nationaler Dialog gegenüber den Palästinensern wird er immer genocidaler und löscht die Palästinenser (ob Bürger oder nicht) aus den Geschichtsbüchern; eine Übereinstimmung hat sich innerhalb der Gebiete der palästinensischen Gesellschaft entwickelt, dass der Kampf gemeinsam unternommen werden muss.  Palestinemonitor

(dt. Ellen Rohlfs) (Ich hatte noch 2,5 Seiten übersetzt, die verschwunden sind – Hatte ich  vergessen zu speichern  oder irgendwo eine  verkehrte Stelle angeklickt??)  

 

Gazas Fischer und Bauern und die von Israel auferlegte Paralyse im eigenen Land


Wir hatten ein Treffen mit Vertretern von Gazas Fischereiindustrie, um ihre Berichte anzuhören und um zu sehen, ob oder wie wir sie unterstützen können.

Gazas Fischer gehörten historisch zu den ärmsten Familien hier, vor allem, weil viele keine Unterstützung von der Uno bekommen, weil sie keine Flüchtlinge sind. Ihr Leben hat sich mit den Angriffen und den Beschränkungen durch die israelischen Streitkräfte erheblich verschlechtert. Seit dem Coup in Ägypten im Juli haben die Israelis den von der Morsi-Regierung vermittelten Waffenstillstand vom November 2012 ignoriert.

Hier ist eine Litanei der jüngsten Angriffe gegen palästinensische Fischer:
Die willkürliche Reduzierung der Fischfangzone von sechs Seemeilen auf fünf: Das Einhalten dieser Beschränkung schützt Gazas Fischer nicht vor dem Beschuss durch die Israelis: Zwei Fischer vom Shadi Camp wurden kürzlich von israelischen Streikräften beschossen, obwohl sie offensichtlich innerhalb der neuen Fünf-Meilen-Grenze operierten. Gazas Fischer werden beschossen, wenn sie sich nur drei, zwei oder eine Meile von der Küste befinden. Die israelische Marine feuerte bisher meistens einen Schuss vor den Bug, zielt jetzt auf die Fischer. Ein palästinensisches Schiff, das bisher permanent verankert war, um die derzeit geltende Grenze der Fischfangzone anzuzeigen, wurde kürzlich von den Israelis gestohlen. Zur Zeit halten die Israelis wöchentliche Manöver in palästinensischen Küstengewässern ab. Am 12. September beobachteten Aktivisten ein israelisches Kanonenboot, das die Gewӓsser vor Gaza City durchkreuzte und sich der Küste bis auf 500 Meter nӓherte.
Gazas Regierung hält trotz der Provokationen am Waffenstillstand fest und hat ein Gesetz erlassen, dass Fischer festgenommen werden, wenn sie die Sechs-Meilen Grenze ignorieren. Und weil unsere Anwesenheit beim Fischen dazu führen könnte, dass die Fischer mehr wagen und die Israelis herausfordern, werden wir nicht ermutigt, die Fischer aufs Meer zu begleiten.

Die Konsequenzen treffen die Jugendlichen der Fischerfamilien besonders hart, weil das Geld für die Ausbildung, für Kleider, angemessene Ernährung und letztendlich für das Heranwachsen der nächsten Generation fehlt, weil es keine Arbeit, keine Wohnungen und keine finanziellen Starthilfen für junge Fischerfamilien gibt.

Und die Lage in der Landwirtschaft ist nicht besser, wie wir vor kurzem bei einem Treffen mit Bauern in Khan Younis erfuhren, die Land in der sogenannten Pufferzone besitzen. Obwohl die Zeit zum Anpflanzen gekommen ist, machen die Bauern aufgrund des Beschusses durch israelischen Scharfschützen keine Anstalten, auf ihre Felder zu gehen. Im Waffenstillstand vom vergangenen November wurde den Bauern garantiert, dass sie ihre Felder bis auf 100 Meter von der Grenze bearbeiten könnten. Drei Monate spӓter änderten die Israelis die Regeln und beschiessen die Bauern jetzt innerhalb von 800 Metern von der Grenze. Aber selbst wenn die Bauern ihre Felder bepflanzen würden, wӓre es zu gefӓhrlich, die Pflanzen zu bewässern oder zu pflegen. Selbst wenn sie alles zustande bekommen, müssen sie mit israelischen Bulldozern und Panzern rechnen, die in offenkundiger Verletzung aller Regeln in die "Pufferzone"eindringen und ihre harte Arbeit in Minutenschnelle zunichte machen. Die Bauern wollen deshalb auf den Herbstregen warten, wenn die Pflanzen den gefӓhlichen persӧnlichen Einsatz der Bauern nicht mehr so sehr benötigen und wenn die Internationale Solidaritätsbewegung prӓsent sein wird, um die Verletzungen des Waffenstillstandes wenigstens zu dokumentieren. Aber mindestens drei kostbare Monate gehen der Landwirtschaft auf dem fruchtbarsten Boden in Gaza verloren, in einem Land, das nach Nahrung hungert. Nachdem die Tunnel nach Ägypten geschlossen wurden, müssen die Palästinenser überteuerte zweitklassige Produkte und Junkfood aus Israel kaufen.

Dazu kommt, dass sie jetzt israelisches Benzin zum doppelten Preis kaufen müssen, anstelle des Benzins aus den ägyptischen Tunneln. Deshalb sind die Preise gestiegen, von den Taxifahrten zum Brot für die Familien.

Bisher hatte Gaza täglich acht bis zwölf Stunden keinen Strom und muss jetzt mit nur vier Stunden Strom pro Tag leben. Wenn es im persönlichen Leben kaum mӧglich ist, einen Haushalt mit Kühlschrank, Gefriertruhe, Wasserpumpe, Waschmaschine, Computer und allem mit nur vier Stunden Strom pro Tag in Gang zu halten, was wird dann in den Krankenhäusern geschehen? Vielleicht wird ein viel berichteter Vorfall öfter vorkommen, als ein Doktor in Gaza vor kurzem während eines Stromausfalls eine Operation im Licht seines Mobiltelefons abschloss.

Es sieht so aus, als wollte die israelische Armee einen Raketenbeschuss aus Gaza provozieren und dann würden die “Vergeltungsschlӓge” aus Israel kommen. Dieser einseitige Waffenstillstand kӓme dann mit dem Raketenbeschuss aus beiden Richtungen zu seinem Ende und die westlichen Medien werden sich plötzlich, aber zu spät an Gaza erinnern. Es besteht der dringende Wunsch nach Frieden hier, wenn nur jemand von “draussen” ein wenig Unterstützung anbieten würde.1)
Die Jerusalem Post berichtete am Donnerstag, den 19. September 2013, dass eine Rakete aus Gaza in Richtung Ashkelon gefeuert wurde und im Feld landete. Niemand wurde verletzt.2)

Die Internationale Solidaritӓtsbewegung [International Solidarity Movement (ISM)] hat an Freiwillige aus aller Welt appelliert, den Palӓstinensern in den besetzten Gebieten bei der Olivenernte im Herbst 2013 beizustehen. Der Olivenbaum ist ein nationales Symbol für die Palӓstinenser. Wenn tausende von Olivenbӓumen von Bulldozern aus der Erde gerissen werden, von israelischen Siedlern und Soldaten verbrannt oder zerstӧrt werden - nach UN-Berichten haben Siedler mehr als 7500 Bӓume allein im vergangenen Jahr zerstӧrt- dann bedeutet die Ernte mehr als nur der Lebenserhalt; sie ist eine Form des Widerstandes. Die jӓhrliche Olivenernte ist eine Bestӓtigung der historischen, spirituellen und wirtschaftlichen Verbindung der Palӓstinenser zu ihrem Land. Die Freiwilligen der ISM gehen in palӓstinensische Dӧrfer, die bei der Ernte von israelischen Siedlern und der Armee bedroht werden und stehen den palӓstinensischen Bauern durch gewaltlose Interventionen und die Dokumentation der Gewalt bei.3)

Seit 1967 hat Israel eine "Pufferzone" an der nӧrdlichen und ӧstlichen Grenze Gazas aufrechterhalten. Die No-go Zone wurde bis November 2012 auf bis zu 1500 Meter entlang der Grenzlinien ausgeweitet und betrifft 25% von Gazas landwirtschaftlicher Flӓche. Der Begriff "Pufferzone" wird von einigen Beobachtern abgelehnt, weil eine "Pufferzone" normalerweise zum Territorium des Landes gehӧrt, das die Restriktionen auferlegt. Die von Israel auferlegte "Pufferzone" erstreckt sich auch auf 85% von Gazas Küstengewӓssern, in denen das Fischen nach den Oslo-Vertrӓgen in einer 20-Meilen-Zone gestattet ist.
Vom 22. November 2012 bis zum Februar 2013 wurden vier Palӓstinenser in der Grenzzone Gazas von der israelischen Armee getӧtet, 91 Menschen wurden verletzt; die Armee drang 13 Mal in Gaza ein und die israelische Marine griff palӓstinensische Fischer 30 Mal an. Am 30. April 2013 wurde ein 26-jӓhriger Palӓstinenser im Nordwesten Gazas von einer von einem israelischen Kampfflugzeug abgefeuerten Rakete getӧtet. Seit dem Militӓrputsch gegen die Morsi-Regierung im Juli werden palӓstinensische Fischer auch von der ӓgyptischen Marine angegriffen.4)

In Reaktion darauf haben mehrere Organisationen, darunter die European Campaign to End the Siege of Gaza und Gaza's Ark, eine internationale Koalition zur Beendigung von Israels Verbot von Exporten aus Gaza, an Ӓgypten appelliert, die Grenze bei Rafah zu ӧffnen. Eine Avaazpetition hat in 24 Stunden 1000 Unterschriften aus aller Welt gesammelt und zielt auf 25 000 Unterschriften, die ӓgyptischen Botschaften, der Uno und verschiedenen Menschenrechstorganisationen überreicht werden.5)    Übersetzt und leicht gekürzt von Martina Lauer

International Campaign to #OpenRafahBorder; https://secure.avaaz.org/en/petition/Egypt_Open_Gazas_Rafah_Crossing_1/?copy
1)Gaza fishers and farmers: nowhere to go, 13. September 2013, International Solidarity Movement, Kevin Neish, Gaza, Occupied Palestine; http://palsolidarity.org/2013/09/gaza-fishers-and-farmers-nowhere-to-go/
2) http://www.jpost.com/Defense/Code-Red-sounded-after-rocket-fired-at-Ashkelon-from-Gaza-no-injuries-326537 
3) http://palsolidarity.org/2013/09/call-to-action-join-ism-for-the-2013-olive-harvest-campaign/
4)Hana Salah,Eight months after the truce: A report from the ‘killing fields’ of the Gaza buffer zone, 14. August 2013, Mondoweiss;

http://mondoweiss.net/2013/08/eight-months-after-the-truce-a-report-from-the-killing-fields-of-the-gaza-buffer-zone.html
http://farmingunderfire.blogspot.ca/2013/08/list-of-palestinians-shot-by-iof-in.html
5)Medea benjamin und Pam Bailey, Egypt Joins Israel as Gaza's Jailer, 19. September 2013; http://www.commondreams.org/view/2013/09/19
Joe Catron, Israel exploits Egypt turmoil to increase attacks on Gaza farmers, 12. September 2013, Electronic intifada
Sally Idwedar, Life depends on water but my tap is dry: life in Gaza without water, 14. September 2013; sallyidwedar.wordpress.com
Photos: Gaza in life, love, dignity and strength, Sami Kishawi; 13. September 2013; smpalestine.com
Egyptian tanks cross fence leading to Gaza, AFP, 13. September 2013; www.maannews.net

Kim Wessel: Als OP-Krankenschwester in Gaza
 Ekkehart Drost
 

Nach einem Vortrag in Osnabrück im September 2013 erhielt ich von einer Zuhörerin folgende E-mail:

„Seitdem ich aus Gaza wieder da bin, habe ich mich mit vielen Menschen über dieses Erlebnis unterhalten und auch einen Vortrag gehalten. Ich wollte es jedem, den es interessiert (oder auch nicht), erzählen, was für ein Wahnsinn dort in Gaza passiert. Leider habe ich schnell gemerkt, wie weit weg dieses schlimme Leben von hier entfernt ist, weil ich selten das Gefühl hatte, dass andere verstehen, was dort passiert. Das hat mich frustriert. Ich hoffe, Sie haben noch lange Freude an Ihren Vorträgen und noch viele Gelegenheiten, der Welt verstehen zu geben, dass Palästina sich auf demselben Planeten befindet.“

 Diese E-mail hatte mir Kim Wessel geschickt, 22jährige Operationstechnische Assistentin aus dem Osnabrücker Klinikum. Die Begegnung mit ihr hat einen nachhaltigen Eindruck bei mir hinterlassen. Wie kommt es, dass eine junge Frau ihr sicheres Zuhause aufgibt, wenn auch nur für einen überschaubaren Zeitraum, und sich in eine Gegend begibt, die bei uns mit Terror und Kassam-Raketen assoziiert wird?

Ich bat sie, ihre Geschichte aufzuschreiben. Hier ist ihr persönlicher Bericht:

„Ich bin 22 Jahre alt und arbeite seit 2008 im Klinikum Osnabrück als Operationstechnische Assistentin, landläufig ´OP-Schwester` bezeichnet

Man kann schon an meiner Berufswahl erkennen, dass mir das Wohl anderer Menschen sehr am Herzen liegt. Schon immer wollte ich in der Entwicklungshilfe tätig werden und habe damit auch nie hinter dem Berg gehalten.

Ende 2012 erfuhr ich, dass ein Gefäßchirurg (Dr. Schindler) unseres Hauses nach Gaza gehen wird, um dort gefäßkranke Menschen, unter anderem auch sehr viele Kinder, zu operieren. Ich war sofort Feuer und Flamme. Mein Chef erzählte Dr. Schindler von meiner Begeisterung - leider erst genau einen Tag vor seiner  Abreise nach Gaza.

Eine Woche später stand ich im OP bei einer Operation, und Dr. Schindler kam herein. Er sagte, er bräuchte meinen Reisepass und ein Passfoto - mehr nicht. Am nächsten Tag traf ich mich mit ihm, und er erzählte mir von seinem Vorhaben. Er wollte im Januar noch einmal für 2 ½  Wochen nach Gaza fliegen und hätte mich gerne dabei. Wow…! Ein ´nein` kam für mich nicht in Frage! Meine Eltern waren schockiert und gar nicht begeistert, wussten aber genau, dass sie mich davon nicht abhalten konnten.

Am 18.01.2013 machten wir uns also zu dritt (Dr. Schindler, die Assistenzärztin, und ich) auf den Weg nach Frankfurt, mit 180 kg Gepäck: Instrumente und sonstige medizinisch wichtige Dinge.

Am Flughafen trafen wir Dr. Nael Abusleem.

Er war der Initiator des ganzen Unternehmens. Nael selbst kommt aus dem Gazastreifen, wo auch seine gesamte Familie zu Hause ist. Er arbeitet als Radiologe in Kassel und besucht seine Familie so oft es ihm möglich ist. Er war unser Dolmetscher, Mentor und Manager und somit unsere wichtigste Person.

Da es uns nicht möglich war, über Israel nach Gaza einzureisen, ging unser Flug nach Kairo. Nach einer sehr kurzen Nacht in Kairo fuhren wir mit einem Taxi früh morgens Richtung Grenze zum Gazastreifen.

Nach 6 Stunden Fahrt, an der Grenze angekommen, fing der ´Hagel der Ereignisse` an: Hunderte von Menschen und Autos zwischen den ägyptischen Panzern und der Grenzmauer. Wir zogen sofort die Aufmerksamkeit aller auf uns, was uns allerdings nicht wirklich zu Gute kam: Vier Stunden mussten wir im Auto warten, bis wir die Grenzmauer passieren durften. Die Stimmung vor der Mauer war sehr angespannt und etwas aggressiv.

Im Grenzgebiet angekommen, befanden wir uns in einer großen Halle mit ebenfalls Hunderten von Menschen. Wir gaben unsere Pässe ab und warteten und warteten. Dann und wann kam ein Polizist, um sich unsere Pässe anzuschauen und sie danach wieder ganz ans untere Ende des großen Stapels zu legen. Dies konnten wir sehr gut verfolgen, da unsere Pässe die einzigen roten waren. Nach weiteren vier Stunden durften wir nun endlich in den Bus steigen, der rund 500 m auf die palästinensische Gaza-Seite fuhr.

Dort angekommen, änderte sich das Bild schlagartig. Was gerade noch lieblos, alt und heruntergekommen war, sah nun modern und freundlich aus. Vor den Eingangstoren waren schöne Beete angelegt, und auch die Empfangshalle war sehr ordentlich und gepflegt. Das hatte ich nicht erwartet. Als erstes gingen wir durch einen langen Gang mit vielen Fotos von den letzten Bombenanschlägen auf Gaza. Das war der erste traurige Moment für mich. Nach einem kurzen Empfang mit für uns wichtigen Personen, fuhren wir mit einem Taxi zu einem der vier Krankenhäuser, in denen wir gearbeitet haben.

Meine ersten Eindrücke in Gaza:

Gaza ist schwer zu beschreiben. Auf der einen Seite eine schöne, gepflegte Empfangshalle und dann, auf dem Weg zum Krankenhaus, viele Bauruinen und aufgetürmter Müll an den Straßen. Ich habe unglaublich viele Kinder gesehen; überhaupt waren die Straßen sehr lebendig. Es gab viele Graffitis und Plakate von bewaffneten Kämpfern oder auch von ´Kindern`. Unvorstellbar  viele Gebäude waren zielgenau zerstört. Man hatte das Gefühl, die Rakete habe die Nadel im Heuhaufen gefunden. Die meisten Wohnhäuser waren sehr trist und heruntergekommen.  Oft standen kleine Generatoren an den Straßen, die bei Stromausfällen zum Einsatz kamen. An jedem Tag wurde mehrmals der Strom willkürlich ´von außen` abgestellt. Man konnte es nie voraussehen. Manchmal standen wir plötzlich inmitten einer OP im Dunkeln oder waren in einem Fahrstuhl eingeschlossen.

Wir haben in unserem Aufenthalt vier Krankenhäuser besucht und betreut. Ein privates, relativ gut ausgestaltetes Krankenhaus, ein Kinderkrankenhaus, das Al Shifa Hospital  und das European Hospital Gaza, wo wir unsere Operationen durchgeführt haben. Leider ist der hygienische Standard kaum mit dem in deutschen Krankenhäusern zu vergleichen, auch nicht der in den OP.  Die Stationen und die Patientenzimmer sind voll belegt, da sich die eigenen Angehörigen um die komplette Pflege des Patienten kümmern müssen. Handschuhe habe ich nur sehr selten im Einsatz gesehen. Für mich ganz selbstverständliche Dinge wie Alkohol zum Desinfizieren oder ´Einmal-Tücher` zum Abdecken des OP-Feldes waren nicht vorhanden. Wir mussten viel improvisieren.

In dem privaten Krankenhaus konnte Nael einige endovaskuläre Eingriffe durchführen, welche den Menschen viel von ihrer Lebensqualität zurückgaben.

Besonders am Herzen lag uns das Kinderkrankenhaus. Wir haben sieben kranke Kinder operiert, um ihnen die Dialyse zu erleichtern.  Leider ist diese Art von Behandlung keine Heilung, sondern lediglich eine Erleichterung der Therapiemaßnahmen.  Wir haben auch viele erwachsene Menschen behandelt, die sonst wohlmöglich ein Bein oder gar ihr Leben verloren hätten.

In den Sprechstunden und Visiten haben wir viele schlimme Krankheiten gesehen, die nach meiner Meinung z.B. in Deutschland, mit adäquater Behandlung, nicht so ausgeartet wären.

Ich muss dazu sagen, dass eine angemessene Behandlung auch in Gaza möglich wäre. Dazu fehlen aber die wichtigen Voraussetzungen. Es gibt in Gaza eine sehr gute Universität, die wir besucht haben. Vielen Ärzten dort mangelt es mit Sicherheit nicht an der Theorie, eher an der Praxis und den Möglichkeiten, Erfahrungen zu sammeln.  Alle Pflegekräfte und Ärzte, mit denen wir zusammen gearbeitet haben, waren sehr interessiert und lernwillig. Einige Krankenhäuser haben durchaus gute Gerätschaften oder beispielsweise Gelenkprothesen, wozu aber leider das Instrumentarium oder das ´Know how` fehlt.

Ich habe schnell gemerkt, wie wenig nachhaltig unser Aufenthalt war. Wir konnten einigen Familien helfen und Hoffnung geben. Es fühlte sich für mich aber nur wie der Tropfen auf dem heißen Stein an. Solange diese unüberwindbare Grenze besteht, werden die wenigsten Projekte nachhaltig sein. Es macht mich wütend, da man, meiner Meinung nach, mit relativ wenigen Mitteln eine erhebliche Verbesserung des Gesundheitssystems bewirken könnte.

Was ich sonst noch erzählen kann:

Wir haben auf unserer Reise ganz Gaza gesehen - es ist ja auch nicht besonders groß. Je mehr ich gesehen habe, desto mehr habe ich mich eingesperrt gefühlt. Wir waren oft nah genug an der Grenze zu Israel, um Drohnen oder Hubschrauber in der Luft sehen zu können. Selbst nachts im Hotel konnten wir die Grenze hören. Ja, wirklich hören! In einer Entfernung von etwa fünf Kilometern stecken israelische Kriegsschiffe die Grenze ab, und sobald sich ihnen etwas näherte, so mein Eindruck, wurde geschossen.

Wir waren auch in den ehemaligen Siedlungsgebieten, die mich teilweise an einen alten Vergnügungspark erinnerten. Einmal sind wir an den ´Slums` vorbei gefahren, was mich auch sehr bewegt hat.  Der Lebenswille der Menschen im Gazastreifen ist eisern.

Die Menschen in  Gaza haben mich durch ihren Familienzusammenhalt, ihre Offenheit  und ihre Herzlichkeit beeindruckt. Auch die Familie von Nael hat uns liebevoll aufgenommen und betreut.  Wir wurden oft beschenkt, geehrt und beweihräuchert, was mir schon fast peinlich war. Diese Menschen sind so dankbar, allein, wenn sie merken, dass sie nicht in Vergessenheit geraten sind.“

Dies ist die Geschichte von Kim Wessel, einer jungen Frau aus Osnabrück, authentisch, zu Herzen gehend und voller Empathie mit Menschen, denen es nicht so gut geht wie uns.

 

Nur Blendwerk: die „neuen“ israelisch-palästinensischen Friedensgespräche

Mitchell Plitnik , 8.9. 13   www.lobelog.com/smoke-and-mirror-the-new-

Der sog. wieder aufgenommene israelisch-palästinensische Friedensprozess stellt sich als nichts anderes  als eine Illusion  dar, so wie viele Beobachter des ganzen politischen Spektrums es erwarteten. Nur die US sind fest entschlossen noch mehr Rauch abzulassen, um die Halluzination so lang wie möglich zu halten. Und die palästinensische Behörde fällt typischerweise  wieder in die Falle.

Die Idee des Außenminister John Kerry, die Verhandlungen streng geheim zu halten, war eine gute Idee, falls die Gespräche irgendwohin führen. Wenn sie es nicht tun, wird wahrscheinlich die verletzte Seite zu den Medien laufen, um ihre Enttäuschung mitzuteilen: dass der Prozess sie nicht dorthin führte, wohin sie wünschten und dass der öffentliche Druck ihre einzige Option sei. Wenn dies so geschehen würde, so würden sich die die US sicher ärgern  und die Tür für die Partei öffnen, die ausgeplaudert hat, die dann den Löwenanteil der Anklage  erhält,  dass die Gespräche misslungen seien.  …

„Beide Seiten haben uns und einander klar gemacht, das sie keinen Aufruhr wünschen, der sie verschlingt, und dass  sie deshalb motiviert sind, ihren Konflikt zu lösen versuchen, damit dies nicht geschieht,“ sagte der offizielle Reporter. Dieser Grund war Teil der Erklärung  von Kerry,  als er die Seiten zusammen bringen  und deutlich machen wollte, warum dieses Mal die Gesprächsrunde anders als die vorausgehenden Runden sein wird. Es misslang jedoch, die Probleme vorzubringen, die die Gespräche abbrechen ließ, die genau dieselben waren, wie bei vorherigen Gesprächen.

Den palästinensischen  Unterhändlern ist von Reportern berichtet worden, dass Israel auf einem neuen Interim-Abkommen besteht, bei dem ein provisorischer palästinensischer Staat auf 60% der Westbank errichtet werden würde und dass vorläufig keine  Siedlungen  aufgelöst werden. Das ist für die Palästinenser ein “Nichtstarter“ und sie werden das klar machen, bevor die Reden beginnen. Die Seite Israels und bes. Ministerpräsident Netanyahu hat es ebenfalls klar gemacht, dass die Grenzen von 1967 keine Erwähnung finden und dass er nichts anderes als die Errichtung eines neuen Interim-Abkommens erreichen will. Also war eine neue Sackgasse direkt vorherzusagen. Und dies gibt der Ansicht der USA die Atmosphäre einer Aufführung, die den sehr wirklichen Beweis gibt, dass diese Reden vom ersten Augenblick an zum Scheitern verurteilt waren, und die USA dies sehr wohl gewusst haben .

Kerrys Verordnung, dass beide Seiten es unterlassen, mit den Medien darüber zu reden, passte Israel sehr. Die Gespräche gingen im Schneckentempo voran oder machten keinen Fortschritt, was genau in Netanyahus Interesse war. Sollte es einen messbaren Fortschritt geben, würde es einen Feuersturm politischer Kontroverse in Israel geben und würde seiner Koalition nur schaden, die mit Israels Siedlerbevölkerung in der Westbank sympathisiert und überwältigend jeden Kompromiss zu Hauptproblemen wie Jerusalem und die Flüchtlingsprobleme blockiert. Netanjahus größte Sorge konzentrierte sich um sein eigenes Volk; sein Mann im Verhandlungsteam, Yitzhak Molho ist dort, um den Justizminister und die leitende Unterhändlerin  zu bremsen, wenn sie tatsächlich zu viel verhandeln. Darum ist er mehr als zufrieden, dass man sich an Kerrys Diktat hält, nicht mit den Medien zu reden.

Aber das palästinensische Team muss sehr über die Wahrnehmung in seiner eigenen Bevölkerung besorgt sein: dass es wohl an den Verhandlungstisch gezogen wurde und Israel erlaubte,  in gutem Glauben zu verhandeln –während neue Siedlungen weiter gebaut werden. Israel hat es jedenfalls für sie nicht leichter gemacht, während es neue Erweiterungsprojekte in wichtigen Siedlungsgebieten in der Westbank und Ostjerusalem ankündigte. Und Israels Verweigerung , die Grenzen von 1987 gleich von Anfang an nicht anzuerkennen. Dazu kommt die Annahme der USA-Haltung, die dem palästinensischen Volk noch mehr Grund gibt, diese Reden als nichts anderes als Heuchelei anzusehen. Die PA-Verhandlungen  suchen verzweifelt einen Weg, die US dahin zu bringen, diesen Rahmen zu verändern. Doch die USA spielen von Anfang an eine zurückhaltende Rolle. Das führt zur ersten palästinensischen Klage, dass der US-Vermittler Martin Indyk nicht an den Diskussionen beteiligt sei. Mit Augen der US, die jetzt auf Syrien fixiert sind und auf die Seifenoper um dieses Problem im Weißen Haus, ist es weit weniger geneigt , sich um die israelisch-palästinensischen Gespräche zu kümmern. Also wenden sie sich mit ihren Klagen an die Medien,  mit der wahrscheinlich  vergeblichen Hoffnung, die USA würden sich darum kümmern.

Während  die USA sich nicht über diese undichten  palästinensischen Stellen Sorgen machen, ist es wahrscheinlich  einem von zwei  Punkten  zu ändern. Die erste Möglichkeit könnte geschehen, wenn die syrische Krise in irgendeiner Weise nachlässt, wenn es in Ägypten nicht noch mal zu einem Ausbruch  und es dort zu relativer Ruhe kommt. Dann könnten die Leute  diesen  stotternden Gesprächen Aufmerksamkeit schenken und die palästinensischen Klagen könnten zu einer prominenten Geschichte werden. Beides scheint unwahrscheinlich. Die Gespräche  scheitern und das Anklagespiel beginnt. Das lässt die Frage hoch kommen, ob die Obama Regierung dem Beispiel von Bill Clinton folgen will und den Palästinensern die Schuld zuschieben will …

Aber Netanyahu wird sicher die Palästinenser als die für den Misserfolg Verantwortlichen hinstellen und selbst den Beweis liefern, dass  er öffentlich  nach Kerrys Programm geht, während die Palästinenser dies nicht taten.

Die Tatsache, dass Kerry in dieser Woche die EU inständig bat, selbst ihr geringes Embargo zurückzuhalten, das die Projekte in und mit israelischen Siedlungen unterstützt, während die Frage Syrien zu bombardieren, in der Luft hing, sagt eine Menge über seine Disposition in diesen Gesprächen und der Naivität der Palästinenser, die immer noch denken, die US würde sogar versuchen, Israel dahin zu bringen, dass ein palästinensischer Staat  auf den Grenzen von 1967 basiert. Es hat nicht den leisesten Hinweis gegeben, dass US Druck auf Israel ausübt, irgendwelche Konzessionen zu machen. Deshalb  gingen die Palästinenser zu den Medien, obwohl sie wussten, dass Kerry und Obama  nicht darüber erfreut sein würden.  Leider hat das Verhalten der US bei den wieder aufgenommenen Gesprächen nicht einmal die geringsten Erwartungen der Nutzlosigkeit erreicht und voll seine Position als ein  durch und durch unehrenhafter Vermittler bestätigt.

(dt. gekürzt und zuweilen freier  übersetzt: Ellen Rohlfs)

 

Moralische Supermacht ?
Gideon Levy,  1.9.13

Eine Übung in Ehrenhaftigkeit (und Doppelmoral): Was würde geschehen, wenn Israel chemische Waffen benützen würde? Würden die US auch sagen, es müsse angegriffen werden? Und was würde geschehen, wenn die US selbst solche Maßnahmen anwendet? Israel würde niemals Massenzerstörungswaffen anwenden, auch wenn sie im Arsenal liegen, außer unter extremen Umständen. Aber es hat schon Waffen benützt, die nach dem Völkerrecht verboten sind: Weißen Phosphor und Flechette-Runden gegen die zivile Bevölkerung in Gaza und Splitterbomben im Libanon – und die Welt erhebt nicht den Finger. Und ein paar Worte sind nötig, um die Massenvernichtungswaffen zu beschreiben, die die USA benützte, die Atombomben in Japan und Napalm in Vietnam. (Und Depleted Uran in Afghanistan und im Irak)

Aber Syrien ist natürlich eine andere Sache. Schließlich kann keiner ernsthaft daran denken, dass ein amerikanischer Angriff auf das Regime von Präsident Bashar Assad aus moralischen Gründen geschieht. Etwa 100 000 Getötete, die in diesem unglücklichen Land geboren wurden, bringen die Welt nicht zum Handeln – nur der Bericht von den 1400 durch chemische Waffen Getöteten – was bis jetzt noch nicht überzeugend bewiesen ist –lässt die „ Rettungsarmee“ der Welt handeln.
Keiner kann irgendjemanden verdächtigen, dass die meisten Israelis (67%) einen Angriff unterstützen und um das Wohlbefinden von Syriens Bürger besorgt sind. Es ist vielleicht das einzige Land in der Welt, wo eine Mehrheit einen Angriff unterstützt: das leitende Prinzip ist vollkommen fremd: schlagt die Araber: egal warum, Hauptsache tüchtig.

Es wird auch keiner ernsthaft denken, dass die US eine „Moralische Supermacht“ ist, wie Ari Shavit sie hier ( Haaretz 29.8) definiert hat. Das Land, das seit dem 2. Weltkrieg für das meiste Blutvergießen verantwortlich ist – einige sprechen von 8 Millionen Toten allein durch seine Hände: in Südostasien, Südamerika, Afghanistan und Irak – kann nicht als „moralische Macht“ bezeichnet werden. Auch kann ein Land, in dem ein Viertel aller Gefangenen der Welt in Kerkern schmachtet; wo der Prozentsatz der Gefangenen größer ist als in China und Russland, und wo 1 342 Menschen seit 1976 hingerichtet wurden. Selbst Shavits Statement „Die neue internationale Ordnung nach dem 2. Weltkrieg war daraufhin ausgerichtet … das entsetzliche Szenarium von Vergasen würde nicht wiederholt werden,“ hat nichts mit der Realität zu tun. In Korea, Vietnam, Kambodscha, Ruanda und Kongo wie in Syrien kann diese grundlose Behauptung nur ein bitteres Lächeln hervorrufen.

Der Angriff – in Vorbereitung – wird ein zweiter Irak sein. Die US, die nie für ihre Lügen von Irak und den Hunderttausenden vergeblichen Toten in diesem Krieg gestorben waren, sagen, ein ähnlicher Krieg würde ausbrechen. Noch einmal ohne einen entscheidenden Beweis, mit nur partiellem Beweis, und mit roten Linien, die der Präsident selbst gezogen hat. Und jetzt ist er verpflichtet, sein Wort zu halten. In Syrien ist ein grausamer Krieg im Gange, den die Welt stoppen muss – der amerikanische Angriff wird es nicht tun.

Die Berichte aus Syrien sind hauptsächlich tendenziös. Keiner weiß, was genau vor sich geht oder kennt die Identität der guten Kerle und der bösen Kerle, falls sie so definiert werden können. Wir sollten auf die klaren Worte einer Nonne aus Syrien hören, auf Schwester Agnes-Mariam de la Croix, die sich bei mir übers Wochenende aus dem Jerusalemer Kloster beklagte, wo sie Zwischenstation von Malaysia nach Syrien machte. Sie klagte die internationale Presse an. Schwester Agnes beschrieb das Bild anders als die meisten. Es gibt etwa 150 000 ausländische Jihadisten in Syrien, sagt sie, und sie sind für die meisten Brutalitäten verantwortlich. Das Assad-Regime ist das einzige, dass sie stoppen könnte; und das einzige, was die Welt tun kann, ist, die Flut von Kämpfern und Waffen zu stoppen. „Ich verstehe nicht, was die Welt wünscht. Al-Qaida helfen? Einen jihadistischen Staat in Syrien gründen?“ Diese Äbtissin, deren Kloster an der Straße von Damaskus nah Homs liegt, ist sicher, dass ein amerikanischer Luftschlag nur die Jihadisten stärken wird. „Ist es das, was die Welt will? Noch ein Afghanistan?“

Vielleicht weiß die Welt, was sie will, vielleicht auch nicht. Aber eines scheint jetzt klar: Noch ein amerikanisch gewollter Angriff wird eine weitere Katastrophe sein.
(dt. Ellen Rohlfs)
 

An die Außenminister und Vertreter der Europäischen Union -  Von Gush Shalom  5.9.13 - Uri Avnery - Adam Keller - Wir, israelische Bürger, sind zutiefst besorgt um die Zukunft unseres Landes und unserer Region und schreiben Ihnen diesen Brief vor Ihrem Treffen mit dem Rat für Auswärtige Angelegenheiten, vorgesehen für den 6. September.
 

Wir schreiben Ihnen vor allem als Mitglieder von Gush Shalom, dem israelischen Friedensblock, einer Basisorganisation, die im Jahr 1992 gegründet wurde. Seit dieser Zeit kämpft unsere Organisation darum, um das politische System zu engagieren und den Gedanken an Frieden zwischen Israel und seinen palästinensischen und anderen arabischen Nachbarn zu fördern. Es ist unser fester Glaube, dass das Überleben Israels auf lange Sicht und sein Wohlergehen von der Fähigkeit unseres Landes abhängt, eine Integrierung in die Region zu erreichen. Ein unabdingbarer erster Schritt würde ein israelischer Rückzug aus den im Jahre 1967 besetzten Gebieten sein und die seit langem fällige Schaffung eines unabhängigen palästinensischen Staates in diesen Gebieten.
 

In den letzten Jahren wurden wir immer besorgter über den Anstieg eines expansionistischen Nationalismus in der israelischen Gesellschaft und in seinem politischen System. Solchen Erscheinungsformen wird oft durch eine tendenziöse und selektive Interpretation der jüdischen Schriften eine religiöse Rechtfertigung gegeben . Vertreter solcher Tendenzen besetzen Schlüsselpositionen in den aufeinanderfolgenden Kabinetts, einschließlich dem derzeitigen. Dieser expansionistische Nationalismus manifestiert sich selbst vor allem in dem Beschluss,  an bewaffneten Sicherheitskräften in den besetzten Gebieten seit 1967 festzuhalten und in einem unnachgiebigen Antrieb, die israelischen Siedlungen in diesen Gebieten auszuweiten.  Die Siedlungen stellen nicht nur eine offensichtliche Verletzung des Internationalen Rechts und ein eklatantes Hindernis für jegliche Chance, Frieden mit den Nachbarn zu erreichen, dar, sondern ein großer Teil der ökonomischen Ressourcen unseres Landes wird, zum großen Schaden der israelischen Gesellschaft insgesamt, in ein Fass ohne Boden des Siedlungsprojekts gegossen.
 

In dieser Situation schreiben wir Ihnen, indem wir uns in höchstem Maße der wichtigen Rolle bewusst sind, die die Internationale Gemeinschaft allgemein und die Europäische Union insbesondere spielen könnte oder sollte. Vor allem beziehen wir uns auf die Resolution des Rates für Auswärtige Angelegenheiten vom 10. Dezember 2012, in der die EU ihre Verpflichtung ausdrückt, „sicherzustellen, dass in Übereinstimmung mit dem Internationalen Recht alle Vereinbarungen zwischen dem Staat Israel und der Europäischen Union unwiderruflich und ausdrücklich ihre Unanwendbarkeit in den von Israel im Jahre 1967 besetzten Gebieten bezeugen müssen, und zwar den Golanhöhen, der Westbank einschließlich Ostjerusalem und dem Gazastreifen.“  Des Weiteren beziehen wir uns auf die Richtlinien, die die Europäische Kommission am 19. Juli dieses Jahres veröffentlicht hat, die auf die Erfüllung der obigen Resolution in der Praxis zielen.
 

Wie Ihnen bewusst sein muss, hatte die Veröffentlichung vom 19. Juli eine weitaus größere Auswirkung in Israel als das vorherige EU-Statement zu diesem Thema, aus dem einfachen Grund, weil dies das erste Mal war, dass die EU über eine verbale Missbilligung der Siedlungen hinausgegangen ist. Besonders die israelische Beteiligung am europäischen Horizont -2020-Projekt wurde an die Bedingung geknüpft, dass Israels Regierung ihr Einhalten der obigen Grundsätze ausdrücklich erklärt.
 

Die Regierung von Netanyahu wird mit einem schweren Dilemma konfrontiert, indem sie nun tatsächlich zwischen einer Förderung des Siedlungsprojektes und dem Erwerb beträchtlicher Zuschüsse, die die israelische Wissenschaft, das akademische Leben und die Wirtschaft durch die Teilnahme am Projekt Horizont- 2020 beziehen könnte, wählen muss,  da diese beiden Ziele sich absichtlich gegenseitig ausschließen.
 

Wie mehrere Male in den israelischen Medien veröffentlicht wurde, hofft die Netanyahu-Regierung, dieses Dilemma zu vermeiden, indem sie die Europäische Union überredet, ihre Position zu ändern oder zu lockern. Zudem gab es Hinweise auf solche Annäherungen der israelischen Regierung, ausgewiesen auf der Tagesordnung des 6. Septembers.
 

Wir möchten Ihnen zur Kenntnis bringen, dass viele in Israel ihre jetzige Position als Ausdruck einer wahren Freundschaft und Sorge um Israel ansehen. Es ist entscheidend für Israel, unser Land, die Verhaltensnormen anzunehmen, die bei westlichen Demokratien vorherrschen, von denen Israel anstrebt, eine zu sein.  Es ist das existentielle Interesse Israels, mit der Tatsache fertig zu werden, dass es in der heutigen Welt inakzeptabel ist,  andere Menschen mit Gewalt zu beherrschen, das Land dieser Menschen zu konfiszieren und darauf zu siedeln. Die Europäische Union würde Israels Interessen am meisten unterstützen, wenn sie unabdingbar auf diesen Grundsätzen bestünde.
 

Wir sind uns wohl bewusst, dass Sie ebenso wie bei dem obigen Thema auch aufgrund der Situation in anderen Ländern unserer Region besorgt sind, vor allem um Syrien und Ägypten, und dass diese

auf der Tagesordnung Ihrer kommenden Sitzung Priorität haben. Es wäre falsch, zu behaupten, dass alle Probleme des Nahen Ostens einzig und alleine aus dem israelisch-palästinensischen Konflikt herrühren. Aber ganz richtig wäre es, zu sagen, dass ein Ende der israelischen Besetzung und eine Lösung unseres sehr lang andauernden Konflikts einen positiven, beruhigenden Einfluss auf die gesamte Region haben könnte.

Ihr Uri Avnery Adam Keller
(aus dem Englischen übersetzt v. Inga Gelsdorf)

Israel Lobby verlässt sich zur Rechtfertigung ihrer Bitte um mehr US-Hilfe auf ein Gesetz von 2008
Mitchell Plitnick

 

Washington, 28.08.2013 (IPS) - Israel und seine US-Hauslobby bereiten sich bereits für das nächste 10-Jahres-Hilfspaket vor, das nicht vor 2017 in Kraft treten und das erste sein wird, seit der Kongress das Naval Vessel Act von 2008 angenommen hat, das in einem Teil bestimmt, dass die US-Militärhilfe für Israel sicherstellt, dass Israel seine "Qualitative Military Edge" - QME (Qualitativen militärischen Vorsprung) über jeden anderen Zusammenschluss von Staaten and nicht-staatlichen Akteuren behält.

Das QME war lange Verhandlungsprinzip zwischen den Vereinigten Staaten und Israel, aber jetzt, nachdem es zum Gesetz erhoben worden ist, muss der Präsident dem Kongress alle 4 Jahre über Israels QME berichten.

Dieses Erfordernis könnte ein wichtiges Instrument bei den Lobby-Bemühungen um die zu erneuernde US-Militärhilfe für Israel sein; aber auch wenn diese Hilfe so sicher ist wie sonst nichts in Washington, steht sie zur Zeit zunehmend vor neuen Hindernissen.

"Wir machen uns ein ganzheitliches Bild vom Nahen Ostens, das das Anwachsen der Raketenarsenale im Libanon und in Gaza einbezieht", sagte der scheidende israelische Botschafter in den Vereinigten Staaten, Michael Oren, zu Defense News.

Er verwies auch auf die Situation im Sinai und in Syrien.

Israel hat nichts gegen Waffenverkäufe der USA an "moderate" arabische Staaten, besteht aber darauf, dass diese Verkäufe durch Verkäufe an Israel in höherer Qualität ausgeglichen wird. "Wenn Amerika diese Waffen nicht verkauft, werden es andere tun", sagte Oren. "Wir verstehen auch, dass jeder dieser Verkäufe zu hunderten und tausenden amerikanischen Abeitsplätzen beiträgt. Und wir haben ein Interesse an einem starken und vitalen Amerika."

Tatsache ist, dass die amerikanische Wirtschaft weiterhin in einer Depression steckt und ihre langsame Erholung sich bereits auf die Hilfe für Israel ausgewirkt hat. Dass das obligatorische (Sequester-) Budget in diesem Jahr tatsächlich früher gekürzt wird, hat in den pro-israelischen Lobbygruppen zu Debatten darüber geführt, ob man auf das israelische Hilfspaket drängen soll, um von den Kürzungen ausgenommen zu sein.

Die Debatte zeigte die Sorge der amerikanischen pro-israelischen Gruppen ausgewogen für einen fremden Staat einzutreten und dabei nicht besorgter für dieses Land zu erscheinen als für ihr eigenes.
 

Widersprüchliche Finanzen

In der Vergangenheit ging die Hilfe für Israel auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten der USA weiter. Aber dieses Mal könnten manche von andere Fakten überrascht sein.

Das Gesetz von 2008 erwähnt z.B. nicht Israels eigene Verantwortung für die Sicherstellung seines QME. Es verlangt vielmehr von den Vereinigten Staaten, die Waffenverkäufe auszubalancieren, um auf Israels Bedürfnisse einzugehen und das israelische QME aufrecht zu erhalten.

Israel hat sein Verteidigungsbudget 2013 gekürzt, und die Kürzung über mehr als 820 Millionen Dollar (das ist mehr als 25% der Hilfe, die es jährlich erhält) kann die Frage aufkommen lassen, wie Israel um eine Erhöhung der  Hilfe ansuchen kann und gleichzeitig sein eigenes Budget kürzt.

Diese Frage ist durch den Fakt unterlegt, dass der OECD-Bericht von Mai für 2013 ein Wachstum des israelischen BIP für 2013 um 3,9% und für 2014 um 3,4% voraussagt. Der Durchschnitt für OECD-Staaten liegt für diese beiden Jahre bei 1,2 bzw. 2,3%. [...]

 

Siedlungen 

Die Kürzungen im Verteidigungsbudget Israels bei wachsendem BIP sind nicht der einzige Widerspruch, den Israel lösen muss, wenn es eine Erhöhung der Hilfe anstrebt. Da gibt es auch das Gespenst der Siedlungen in der Westbank.

Jahrelang haben die Vereinigten Staaten bei dem kontinuierlichen Siedlungsbau in der Westbank weggeschaut und ihn nur als "Hindernis für den Frieden" kritisiert, aber wenig getan, um Druck auf Israel auszuüben, um ihre Ausbreitung zu stoppen.

Außenminister John Kerry versucht zur Zeit mit dem fortdauernden Siedlungsbau zurechtzukommen; er hält die Palästinensische Autonomiebehörde davon ab, sich trotz der palästinensischen Sorge, die Ausbreitung der Siedlungen stelle den Friedensprozess in Frage, an den wieder aufgenommenen Friedensgesprächen  teilzunehmen.

Aber die Siedlungen werfen im Zusammenhang mit der Bitte um Hilfe noch eine andere Frage auf. Wenn die Vereinigten Staaten gegen die Siedlungen sind und sie als schädlich für die Aussichten auf einen Frieden ansieht, sollten sie (doch) nicht erwarten, dass Israel entsprechend der von Oren geschilderten Umstände seine eigenen Verteidigungsausgaben als wichtiger betrachtet [...] als die Ausgaben für die Siedlungen.

Die Kosten der Siedlungen sind nicht genau bekannt. 2005 hat die israelische Regierung eine Untersuchung über die Finanzierung der sogen. "illegalen Außenposten" (ohne Regierungs-Genehmigung errichtete Siedlungen) in Auftrag gegeben.

Der Bericht über diese Untersuchung schloss damit, dass von 2000 bis 2004 das israelische Bau- und Wohnungsministerium ungefähr 20 Millionen Dollar für die nicht-genehmigten Außenposten bezahlt hat.

Die Verfasserin des Berichts, Talia Sasson, klagte über die Unmöglichkeit vollständige Informationen zu erhalten und deutete an, dass "die derzeitige Ausgabensumme die erwähnten beträchtlich übersteigt", da "in der Summe die Ausgaben des Bau- und Wohnungsministeriums für Infrastruktur, öffentliche Gebäude und Planung nicht-genehmigter Außenposten nicht enthalten" seien.

Laut Israel's Central Bureau of Statistics haben die öffentlichen Ausgaben für von Israel genehmigte Siedlungen 2011 gegenüber 2010 um 38%  zugenommen und gut über 400 Millionen Dollar erreicht.

Nach Stephen Walt, Professor für internationale Angelegenheiten an der Kennedy School of Government an der Harvard Universität, gibt angesichts der Bitte um zusätzliche Hilfe diese Art von wachsenden Ausgaben denen, die sich für einen Frieden einsetzen, eine potentiell nützliches Instrument an die Hand.

"Israels Bitte um eine 10-Jahres-Garantie gibt Obama und Kerry einen guten Ansatzpunkt, falls sie den politischen Willen haben, ihn zu nutzen," sagte Walt gegenüber IPS. "Sie sollten klar machen, dass Israel diese Garantie nur dann bekommt, wenn es den Siedlungsausbau beendet und der Schaffung eines lebensfähigen palästinensischen Staates zustimmt."

"Das ist ein guter Ansatzpunkt, weil Israel eine Extra-Hilfe haben will, sie aber nicht wirklich braucht", fügte Walt hinzu. "Es könnte seine militärische Überlegenheit über viele Jahre beibehalten, auch wenn die USA gar keine Hilfe mehr schickt. So könnten Obama und Kerry diesen Druck ausüben ohne die Sicherheit Israels zu gefährden; ja, indem sie Israel zu einem Ende der Besatzung drängen, würden sie sie (seine Sicherheit) sogar verbessern."

AIPAC (American-Israel Public Affairs Committee) wurde ursprünglich zur Förderung der US-Hilfe für Israel gegründet [...]

Letztlich muss der Kongress, wo der Einfluss von AIPAC am stärksten ist, entscheiden, ob der Präsident das Versprechen des 2008 Gesetzes, Israels QME zu garantieren, einhält. Dieses Gesetz scheint eine wichtige Rolle bei der Überwindung der Hindernisse für eine Aufstockung der Hilfe zu spielen, Hindernisse, die jetzt scheinbar größer sind als es AIPAC gewohnt ist.

Quelle: http://www.ipsnews.net/2013/08/israeli-lobby-looks-to-justify-request-for-more-u-s-aid/

Übersetzung: Karin Nebauer          

Unterwegs nach Jerusalem

Saeed Amireh aus Ni’lin in der Westbank erzählt in den „Palästinensischen Tagebüchern“, wie Freunde und Familie beim Versuch, dieses Jahr am hohen Feiertag von Eid al Fidr in der Al Aqsa Moschee in Jerusalem zu beten, von der israelischen Besatzungsarmee wie gefährliche Kriminelle behandelt werden:

Es war halb vier Uhr nachmittags, als einige Freunde und Familienmitglieder den Entschluss fassten, die besondere Nacht des Ramadans in der Al Aqsa Moschee in Jerusalem zu feiern. Zum ersten Mal in unserem Leben wollten wir versuchen, nach Jerusalem zu gehen, weil wir noch nie in Jerusalem waren; als palästinensische Inhaber des Grünen Ausweises ist es uns nicht gestattet, dort zu sein.

Die Reden von der Palästinensischen Autorität hatten uns ermutigt, weil immer gesagt wird, dass Jerusalem die Hauptstadt Palästinas sei. Uns ermutigte auch die Anerkennung des palästinensischen ‚Staates‘ am 29. November 2012, und all die anderen Illusionen. Ich wollte so gerne nach Jerusalem gehen, um die Al Aqsa Moschee aus diesem besonderen Anlass zu besuchen, aber leider konnte ich nicht mitgehen, weil ich immer noch arbeiten musste, als sie losgingen.

Alle waren so glücklich, weil sie endlich Jerusalem sehen würden. Bei der Ankunft am Qalandiya Checkpunkt wurden sie angehalten und nicht durchgelassen. „ Ihr müsst älter als 45 Jahre sein und verheiratet, um aussnahmsweise im Ramadan hereinzukommen“, sagte ein israelischer Soldat. Sie beschlossen, sich nicht durch das erste Hindernis entmutigen zu lassen. Wenn Israel sie nicht zur Feier des Ramadan hineinlassen würde, dann würden sie sich durch die Apartheidmauer in Beir Nabala einschleichen. Sie kletterten auf die Mauer und durchquerten einen israelischen Steinbruch, um die Hauptstrasse, die Ataronstrasse zu erreichen.

Aber kaum hatten sie den Steinbruch erreicht, als sie von zahllosen israelischen Soldaten überrascht wurden, die mit der Jagd auf sie begannen. Was als hoffnungsvoller Ausflug zur Feier des Ramadan in der Al Aqsa Moschee begann, verwandelte sich von einem Augenblick zum anderen in eine Menschenjagd im Stil eines Hollywoodfilms. Glücklicherweise konnte sich mein Bruder mit seiner Gruppe zwischen den Bäumen und Traubenstöcken verstecken. Sie warteten auf den Abzug der Soldaten...und weil sie den ganzen Tag gefastet hatten (denn es war Ramadan), wurden sie in der Zwischenzeit sehr hungrig und durstig.

Langsam gingen die Soldaten weg und die Jeeps fuhren davon. Nur der Wachmann des Steinbruchs blieb übrig. Als er dann verschwand, um aufs Klo zu gehen, sah die Gruppe das als ihre Chance,um  aus dem Steinbruch zu kommen und die Strasse zu erreichen. Aber sobald sie die Strasse erreichten, warteten Jeeps und Soldaten mit Armeehunden auf sie und eine noch brutalere Jagd begann. Mit Hilfe der Hunde wurden alle eingefangen und verhaftet. Sie nahmen ihre Auswese weg, legten ihnen Handschellen an und zwangen sie, zu Fuss zur Polizeistation von Ataron zu laufen, während die Soldaten in ihren Jeeps fuhren.

Sobald sie die Polizeistation erreicht hatten, wurden sie in einen Käfig mit dutzenden von Palästinensern gesteckt, die ebenfalls verhaftet wurden. Der Käfig war schrecklich überfüllt. Sie liessen sie dort ohne Essen und sogar ohne Wasser, es war inzwischen nach Mitternacht. Einige fühlten sich langsam sehr schwindlig und schlecht, weil es sehr heiss war und sie seit 24 Stunden nichts zu trinken hatten. Drei Männer fingen an zu rufen und baten um Wasser. Ein israelischer Soldat reagierte darauf, indem er Gas in ihre Gesichter sprühte. Einer der Männer verlor das Bewusstsein. Sie waren alle sehr müde, hungrig und durstig, und wurden deshalb sehr still. Sie wollten einfach so schnell wie möglich freikommen.

Gegen zwei Uhr morgens fingen die Soldaten an, Gruppen von Gefangenen zu den Verhörräumen abzuführen. Sie nahmen ihre Fingerabdrücke und zwangen sie zum Unterschreiben von Papieren. Niemand wusste, was sie unterschrieben, weil alles auf Hebräisch war. Manche mussten Geldstrafen bezahlen, manche wurden in den Käfigen gelassen, andere wurden freigelassen. Es war alles sehr willkürlich, niemand verstand, wie sie zu ihren Entscheidungen kamen. Glücklicherweise wurden ein Bruder und meine Cousins um halb vier Uhr morgens ohne eine Geldstrafe freigelassen.

Ich bin jetzt ganz sicher, dass viele Unterstützer von Israel und Zionisten sagen werden, nun, Israel hat das Recht zur Verteidigung seiner ‚Sicherheit‘. Wir wollten Zugang zu unserer heiligen Moschee um zu beten, also wollt ihr euch vor Gebeten schützen? Offensichtlich finden israelische Soldaten Gefallen daran, wenn sie uns demütigen und neue Wege und Kniffe finden, wie sie uns bestrafen und unterdrücken können, während niemand dies stoppen kann oder sich in der Welt frei bewegen kann. Wir können noch nicht einmal Ramadan in der Al Aqsa Moschee feiern. Die Vergangenheit zeigt, dass Israel eher Moslems, die in der Moschee beten, vor fanatischen Israelis und Siedlern beschützen sollte, die in Wirklichkeit ein Sicherheitsrisiko sind und uns in unseren Gebetsstätten angreifen.

Als ich am Eingang zum Ofer-Gefängnis ankam, war ich in grosser Sorge um meinen Bruder und seine Gruppe. Ein israelischer Soldat sah mich und fing an, mich zu verhöhnen: „Vielleicht wirst du nächstes Jahr Erfolg haben oder wir treffen uns wieder in diesem Gefängnis.“

Ich antwortete:“Wer weiss, vielleicht können wir nächstes Jahr nach Jerusalem gehen, wenn es von euch befreit ist. Oder wir treffen uns, und mein Fuss ist auf deinem Nacken und du wirst behandelt, wie du uns behandelst.“

Wir geben nie auf. Wir werden nach Jerusalem kommen, bis wir es befreit haben!

http://www.palestiniandiaries.com/node/8

Am Donnerstag abend errichtete die israelische Armee spezielle Strassenblockaden im besetzten Jerusalem, um alle von der Al Aqsa Moschee kommenden Busse auf der Rückfahrt zu verschiedenen Westbankstädten anzuhalten und nach palästinensischen Jugendlichen zu durchsuchen, die die letzten zehn Tage des moslemischen Fastenmonats in der Al Aqsa Moschee verbracht hatten. Die Ausweise der Businsassen wurden überprüft und 20 Palästinenser festgenommen, die ohne Genehmigungsscheine in die Stadt gekommen waren.

20 Palestinians arrested after Eid prayers, 9. August 2013 >>>

 Übersetzt von Martina Lauer

 

Israels stillschweigend florierender Waffenhandel
 

Ein neuer Dokumentarfilm argumentiert, dass der Erfolg der Waffenindustrie des Landes auf der Ausbeutung von Palästinensern basiert, berichtet Jonathan Cook aus Nazareth:

Israels publicityscheuer Waffenhandel ist nach den letzten Exportzahlen lukrativ wie nie zuvor. Gleichzeitig wird er zunehmend kritisiert. Einige Experten sagen, dass Israel inzwischen davonabhängt, das Leiden der Palästinenser  für militärische und wirtschaftliche Gewinne auszubeuten.

Ein neuer Dokumentarfilm The Lab [Das Labor]hat erstmals Israels Waffenindustrie unter die Lupe genommen und kommt zu der Schlussfolgerung,  dass vier Millionen Palästinenser in der Westbank und Gaza wenig mehr als Versuchskaninchen für militärische Experimente sind, die eine neue Elite von Waffenhändlern und Ex-Generälen bereichern sollen.

Die Herausgabe des Films in den USA in diesem Monat kommt nach neuen Informationen, dass Israels Verkäufe von Waffen und militärischen Systemen letztes Jahr einen Rekorbetrag von 7,5 Milliarden Dollar erreichten, im Vergleich zu 5,8 Milliarden im Vorjahr. Vor zehn Jahren beliefen sich Israels Exporte auf unter 2 Milliarden Dollar.

Israel gehört jetzt zu den grössten Waffenexporteuren der Welt – eine bemerkenswerte Leistung für ein Land, das kleiner ist als New York.

Yotan Feldman, der Direktor des Filmes The Lab und früher ein Journalist für die israelische Zeitung Haaretz, sagt, dass Israel die besetzten Territorien in ein Labor verwandelt hat, um seine Waffensysteme zu verbessern, zu testen und zur Schau zu stellen.

Sein Argument wird von anderen Analytikern unterstützt , die Israels Militärindustrie untersucht haben.

Neve Gordon, ein Politikprofessor an der Ben Gurion Universität, sagte: „Man muss nur die Broschüren lesen, die von der Waffenindustrie in Israel herausgegeben werden. Es ist alles darin. Was sie verkaufen ist Israels ‚Erfahrung‘ und Expertise, die durch die Besatzung und die Konflikte mit den Nachbarn gewonnen wurden.“

Jeff Halper, der zur Zeit an einem Buch über Israels Rolle in der internationalen Innensicherheitsindustrie  arbeitet, geht in seiner Analyse noch weiter. Er sagt, dass Israels Erfolg beim Verkauf des Know-hows an mächtige Staaten zur Folge hat, dass [Israels] Abneigung gegen eine Rückgabe der besetzten Territorien an die Palästinenser weiter wächst.

„Die besetzten Territorien sind als Labor unersetzlich, nicht nur für Israels interne Sicherheit, sondern auch, weil sie Israel ermöglichten, eine Schlüsselrolle in der weltweiten Staatssicherheitsindustrie zu übernehmen.“

„Andere Staaten benötigen Israels Expertise, und das sichert [Israel]einen Platz am Tisch der grossen Spieler. Es gibt Israel einen internationalen Einfluss, der in keinem Vergleich zur Grösse [des Landes] steht. Im Austausch dafür üben die dominierenden Staaten aufgrund ihrer sich gegenseitig verstärkenden Interessen nicht wirklich Druck auf Israel aus, damit es die besetzten Territorien aufgibt.“

Hinweise auf Israels Ausbeutung der besetzten Territorien für den wirtschaftlichen und militärischen Profit kommen zu einem heiklen Zeitpunkt für Israel, weil es diese Woche zu den lange verzögerten Verhandlungen mit den Palästinensern zurückkehrt. Das ernsthafte Interesse des israelischen Premierministers Binyamin Netanyahu an den Gesprächen wurde bereits weithin in Frage gestellt.

Israels wachsender Erfolg beim Vermarkten seiner militärischen Waren an Käufer aus Übersee wurde im Juni bestätigt,  als die Experten von Jane’s [Defence Weekly] Israel auf den sechsten Platz für Waffenexporte stellten, vor China und Italien, zwei grossen Waffenproduzenten.

Nach Israels eigenen Statistiken, die den geheimen Handel einschliessen, nimmt es den vierten Platz vor Grossbritannien und Deutschland ein, und wird nur von den USA, Russland und Frankreich überholt. [...]

Die grössten Kunden sind Länder in Asien, vor allem Indien, Europa, die USA, Kanada, Australien und Lateinamerika.

Wie wichtig der Waffenhandel für Israel ist,  kann durch eine simple mathematische Kalkulation geschätzt werden: Im vergangenen Jahr verdiente Israel beinahe 1000 Dollar von der Rüstungsindustrie pro Kopf- das Mehrfache des von Waffenverkäufen kommende Pro-Kopf-Einkommens in den USA [...]

Feldmans Film - der einen Preis bei der DocAviv, Israels Oskar für Dokumentarfilme, gewann- zeigt Waffenhändler, Armeekommandeure und Regierungsminister, die offen darüber sprechen, wie der Handel der Motor für Israels wirtschaftlichen Erfolg während der weltweiten Rezession wurde.

Leo Gleser, ein Spezialist für die sich neu entwickelnden Waffenmärkte in Lateinamerika, macht folgende Beobachtung: „Der [israelische]Verteidigungsminister ist nicht nur mit Kriegen beschäftigt, er stellt auch sicher, dass der Verkauf von Waren aus der Verteidigungsindustrie läuft.“

The Lab weist daraufhin, dass die Waffenverkäufe seit 2002 stetig angestiegen sind, als Israel den von den Oslo-Verträgen initiierte Rückzug aus den palästinensischen Territorien rückgängig machte. Die erneute Invasion der Westbank und Gazas durch die israelische Armee begann mit der sogenannten Operation Defensive Shield.

Parallel zu dieser Entwicklung gingen viele ehemalige Armeeoffiziere in das neue Hightech Feld. Dort konnten sie ihre Ideen im Bezug auf Sicherheit testen und Systeme für die Langzeitüberwachung,  Kontrolle und Unterwerfung von „feindlichen“ Bevölkerungen entwickeln.

Der grösste Aufschwung im Waffenhandel kam nach der Operation Gegossenes Blei, Israels Angriff auf Gaza im Winter 2008/2009, der internationale Verurteilung nachsichzog. Mehr als 1400 Palästinenser wurden getötet und 13 Israelis. Zum ersten Mal stieg der Betrag von den Verkäufen in diesem Jahr auf 6 Milliarden Dollar an.

Benjamin Ben Eliezer,  zuerst Verteidigungsminister,  dann Industrieminister, sieht Israels Erfolg darin begründet,  dass „die Leute lieber Sachen kaufen, die getestet wurden. Israel verkauft nur Waffen, die getestet und eingesetzt wurden. Wir können sagen, dass wir sie 10 Jahre 15 Jahre benutzt haben.“ [...]

Der Film stellt Innovationen vor,  für die Israel von Sicherheitsdiensten in anderen Ländern gefeiert wird. Israel war ein Pionier der Dronen,  die jetzt das Kernstück des amerikanischen Programms der aussergerichtlichen Exekutionen im Nahen Osten sind.

Israel hofft, dass dieser Erfolg mit Raketenabwehrsystemen wiederholt werden kann wie dem Iron Dome, der im Schlaglicht stand, als im vergangenen Jahr Raketen aus Gaza während der Operation Pilar of Cloud abgefeuert wurden.

The Lab unterstreicht auch den Erfolg von Israels Rüstungsindustrie bei der Entwicklung von futuristischen Waffen, wie dem Gewehr, das um Ecken schiesst. Die Feuerwaffe weckte das Interesse Holywoods und 2008 setzte Angela Jolie sie in dem Film Wanted ein -und machte so praktisch Werbung dafür.

Halper glaubt, dass Israel sich mächtigeren Staaten nützlich macht, nicht nur durch das Entwickeln von Waffensystemen, sondern auch durch den Erfolg beim „Nischen füllen“.

„Die Vereinten Staaten wissen zum Beispiel besser als alle anderen, wie man andere Länder angreift, wie im Irak oder in Afghanistan. Israel kann [den USA] in diesem Bereich nicht viel beibringen. Aber die USA wissen nicht wirklich was man nach dem Angriff macht, wie man die Bevölkerung befrieden kann. Und da meldet sich Israel und bietet seine Expertise an.“

Dieses Argument wird im Flm The Lab unterstrichen. Seine atypischen Stars sind ehemalige israelische Offiziere, die Akademiker wurden, deren Theorien der israelischen Armee und den Hightech -Firmen den Weg zeigen, um neue militärische Techniken und Strategien  zu entwickeln, die von anderen Armeen dringend gesucht werden.

Shimon Naveh, ein Militärphilosoph, wird beim Gang durch das Modell eines arabischen Dorfes gezeigt, das er als Kulisse für die Entwicklung einer neuen Theorie der urbanen Kriegsführung benutzte, als Strategie für die Ende 2000 ausgebrochene zweiten palästinensischen Intifada.

Bei der Vorbereitung auf einen Angriff im Jahr 2002 auf die Kasbah von Nablus, deren labyrinthische Anordnung von der israelischen Armee gefürchtet wurde, schlug er vor, dass die Soldaten nicht durch die engen Strassen gehen sollten, wo sie ein leichtes Ziel sein würden, sondern ungesehen durch die Gebäude, nachdem Löcher in die Trennwände der Häuser geschlagen wurden.

Navehs Idee war der Schlüssel zur Zerschlagung des palästinensischen bewaffneten Widerstandes, weil die einzigen Orte blossgelegt wurden – im Zentrum von überfüllten Städten und Flüchtlingslagern -wo die palästinensischen Kämpfer immer noch Schutz vor der israelischen Überwachung finden konnten.

Ein anderer Experte, Yitzak Ben Israel, ein Ex-General und derzeitiger Professor an der Universität von Tel Aviv, half bei der Entwicklung einer mathematischen Formel fürdie israelische Armee, die den zu erwartenden Erfolg einer Attentatskampagne zur Beendigung des organisierten Widerstandes kalkuliert.

Ben Israels Formel zeigte der Armee, dass eine palästinensische Zelle, die einen Angriff plant, mit hoher Wahrscheinlichkeit zerstört wird, wenn nur ein Fünftel der Kämpfer „neutralisiert“ wird. [...]

Yoav Galant, Chef des südlichen Kommandos der israelischen Armee während Cast Lead, kritisiert allerdings die Doppelmoral der internationalen Gemeinschaft:

„Während gewisse Länder in Europa oder Asien uns für die Angriffe auf Zivilisten verurteilen, schicken sie ihre Offiziere hierher, und ich hatte Einsatzbesprechungen mit Generälen aus zehn Ländern,“ sagt er. „Es liegt hier eine grosse Scheinheiligkeit vor, sie verurteilen dich politisch, während sie dich fragen, welchen Trick habt ihr Israelis, um Blut in Geld zu verwandeln.“

Ein Sprecher für das israelische Verteidigungsministeriums bezeichnete die Argumente in The Lab“fehlerhaft und unlogisch“.

„Unser Erfolg in der Verteidigungsindustrie reflektiert die Tatsache, dass Israel angesichts einer mehr als 60 Jahr andauernden exsistenziellen Bedrohung und einer Reihe von Kriegen mit der arabischen Welt einfallsreich und kreativ sein musste.“

Jonathan Cook, Israel’s booming secretive arms trade, 18. August 2013; http://www.jonathan-cook.net/2013-08-18/israels-booming-secretive-arms-trade/; leicht gekürzt und übersetzt von Martina Lauer;

Israels Preis: 300 neue Siedler für jeden Gefangenen
Jonathan Cook,  12. August 2013

Kaum jemand – selbst unter den Teilnehmern- glaubt, dass die jüngsten „Friedens“gespräche erfolgreich sein werden. Die Palästinenser werden von den Verhandlungen lediglich eine handvoll politischer Gefangener zurückbekommen, während Israel eine zügige Erweiterung genau der Siedlungen erreicht, die es als Teil eines Friedensabkommens in der nahen Zukunft abbauen sollte.

Die derzeitige Austauschrate ist 1200 neue Siedlerhäuser für jeden der 26 zur Freilassung bestimmten palästinensischen Gefangenen. Oder anders gesagt, etwa 300 jüdische Siedler für jeden Gefangenen. Dieser Handel sieht noch schlimmer aus, wenn man das Kleingedruckte liest. Die erste Gruppe von Gefangenen, alle seit mehr als 20 Jahren inhaftiert, umfasst Insassen, die von Israel als geringes Sicherheitsrisiko eingestuft werden. Trotzdem besteht Israel darauf, dass 14 von den 26 nicht in das angeblich bald zu schaffende Palästina zurückkehren, sondern ins Exil in ein neues Gefängnis, eines, das immer wieder bombardiert wird: das Gefängnis Gaza.

Die Mehrheit der restlichen Gefangenen wird in die winzigen Gefängnisse der Zone A in der Westbank transferiert werden. Bisherigen Erfahrungen warnen uns, dass Israel sie sofort wiederverhaften wird, sollten sie den Versuch unternehmen, diese Enklaven zu verlassen. Während die Palästinenser von diesen Gesprächen keinen Gewinn in Aussicht haben, kann Israel viel erwarten. Zusätzlich zu einem „legitimen“ Bauboom für Siedlerhäuser erhält es eine Atempause im Bezug auf den zunehmenden Status als internationaler Paria – zumindest in den Augen der meisten Menschen in der Welt, wenn auch nicht immer in den Augen ihrer Regierungen.

Es verzögert auch die erfolgversprechendste Aktion, die von der Palästinensischen Autorität zur Zeit unternommen werden kann: die Rückkehr zur Uno und den Gang vor den Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag.

Und es trägt dazu bei, dass wir uns wieder vorgaukeln kӧnnen, dass die USA Israels Verhalten zu einem gewissen Grad kontrollieren und nach bestem Vermӧgen Frieden in die Region bringen will. Wenn der Friedensprozess schliesslich den Geist aufgibt, werden die USA und Israel wieder den Palästinensern die Schuld geben, und als Zugabe kann Israel auf eine Annexion der Zone C – einem Grossteil der Westbank- hoffen.

http://www.jonathan-cook.net/blog/2013-08-12/israels-prize-300-new-settlers-per-prisoner/#sthash.x7cXwjxC.dpuf (Übersetzt von M.Lauer)

 

An  das palästinensische Idol  - von einem früheren  israelischen IDF-Soldat
Natan Odenheimer, 8. 7. 13

Washington,DC

Lieber Mohammad Assaf, Du magst dich wundern, warum ich, ein junger Israeli, an Dich den Gewinner des arabischen Idols aus Gaza schreibe.

Du magst denken, wir sind doch sehr verschieden. Stimmt. Wir sind aufgewachsen – nur eine Stunde voneinander entfernt --aber lebten  Lichtjahre voneinander getrennt, du in Gaza und ich in Jerusalem. Bei jeder Straßenkreuzung nahmen wir verschiedene Wege. Mit 20 hast du bei Hochzeiten gesungen, während ich beim israelischen Militär diente. Doch haben  wir viel gemeinsam: wir sind beide jung, wir haben  zu viel Blut gesehen und wir nennen beide dieses Stück Land unsere Heimat.

Du bist heute der verehrteste junge Palästinenser. Als du beim Arabischen  Idol-Finale  gesungen hast, erfreutest Du Araber und Nicht-Araber weltweit. Ich wollte dir schreiben,  weil du für die Menschen in Ramallah und Khan-Yunis nicht nur  charmant bist – Du bist eine Quelle der Hoffnung – ein seltenes Gut für uns alle, die zwischen dem Jordan und dem Mittelmeer leben

Ich wollte Dir schreiben, weil,  wenn die Leute Dich ansehen, sie nicht nur einen hübschen jungen Mann sehen, der singen kann, sondern auch die Verkörperung neuer Möglichkeiten und Inspiration  für ein Ziel, das jenseits der Realität liegt, die manchmal  über uns zu fallen scheint.

Du magst denken: „Was kann ich tun?“

Du hast alle Gründe der Welt, pessimistisch zu sein. Der US-Außenminister John Kerry versucht jetzt, die israelische und palästinensische Seite für Verhandlungen zusammen zu bringen. Aber Du und ich wissen, dass fast jeder zu Hause mit den Augen rollt, wenn irgendjemand das Wort Frieden erwähnt.

Wer kann sie deshalb verklagen?  Immer wieder haben unsere Führer uns mit ihrer Unfähigkeit enttäuscht, tapfere Entscheidungen zu machen  und einen Schritt in Richtung Versöhnung zu gehen.

Aber Deine Stimme  kann klarer und lauter sein als ihre. Die Geschichte ist voll unkonventioneller Aktionen, die einen Wandel herbeibringen. Du berührst die Herzen und Seelen von über 160 Millionen.   Und da es wahr ist, dass unter den 7 Millionen Israelis nicht viele zu dem Profil deiner Fans passen, sind  wir nicht so sehr verschieden. Wenn Musik ergreifend und tiefsinnig ist, bleibt keiner unberührt, und Deine schöne Stimme kann in einer Weise eine Botschaft senden, wie es kein Politiker kann.

Du magst denken: „Diese Leute in Israel wollen keinen Frieden mit uns. Doch nimm bitte zur Kenntnis: Es stimmt, dass es für die meisten Israelis schwer ist, zuzusehen wie ein Versprechen  für eine Lösung am Horizont auftaucht –und wir dagegen seien. Es ist eher darum, weil einer unserer früheren Ministerpräsidenten uns erzählte: „Es gibt keinen Partner für Frieden.“  Ob das nun wahr ist oder nicht – die meisten von uns glauben es. Aber tief drinnen  hofft sogar der Pessimist unter uns, dass dies nicht stimmt.

In der hebräischen Bibel steht: „ Besser einen guten Nachbar haben, als einen fernen Freund.“  Die ganze Welt kann  Dich verehren und mit Dir sympathisieren, aber wir sind es, mit denen Du in der Klemme sitzt und umgekehrt. Bitte, wende dich an uns. Du kannst auch unser Idol sein.

Du bist 23, ich bin fast 25. Wir sind jung, aber wir sind keine Kinder mehr. Als ich 15 war, las ich in einem amerikanischen Buch, dass es das Kennzeichen eines unreifen Mannes sei, er wolle für eine edle Sache sterben, während das Kennzeichen des reifen Mannes sei, er wolle für  eine bescheidene Sache leben. Nun -10 Jahre später – klingt dieser Satz in mir und nicht nur als ein eloquenter Satz aus einer Novelle. Ich war  Kampfsoldat. Ich weiß, was es heißt, bereit zu sein, sein Leben für etwas zu lassen. Doch  würde ich viel lieber in diesem Land neben und mit Dir leben, als sterben, damit andere hier alleine leben können.

Schau mich an, weil Du keine andere Wahl hast. Auch ich hab keine andere Wahl. Wir  sind an einander gekettet und wir müssen nicht woanders hingehen. Aber das muss nicht schlecht sein. Deine Stimme ist wunderbar. Sie kann die palästinensische und arabische Jugend  in der ganzen Welt  erreichen. Sie kann eine neue Geschichte erzählen, eine die nicht mit „Wir haben keinen Partner“ endet. Es ist eine Geschichte, die zu leben versucht, vielleicht sogar zu lieben.  Ich kann es schreiben -Du aber sollt es singen.

Mabruk, oder wie wir auf Hebräisch sagen Mazal tov!  Herzlichen Glückwunsch!

Natan Odenheimer

(dt. Ellen Rohlfs)

 

Gaza nicht vergessen!
Die in Gaza lebende Kanadierin Eva Bartlett berichtet am 5. Juli 2013 über das "stille Tӧten" der palӓstinensischen Bevӧlkerung:

 

Wenn die Auseinandersetzungen in Ägypten in vollem Schwung sind, wird Gaza wieder vergessen.

Die Ereignisse in Ägytpen brachten zuerst Spekulationen über die Schliessung des Grenzüberganges in Rafah, und heute [am 5. Juli] kam die Bestätigung.

Ma’an News berichtet, dass die Grenze (der einzige Übergang, der nicht direkt von den Zionisten kontrolliert wird; nur indirekt) wegen „Sicherheitsunruhen“ in der Sinai Halbinsel geschlossen wurde.

Press TV berichtet: „Bis zu 800 Palästinenser reisen normalerweise über den Rafah-Grenzposten nach Ägypten und weiteren Zielen, es ist die einzigen Passage in die restliche Welt für die meisten Bewohner Gazas.“

Palästinenser in Gaza leben nicht nur unter einer sieben Jahre langen Blockade (und mehr als einem Jahrzehnt der immer strikteren Schliessungen),sie sind jetzt wieder im winzigen, aus den Nähten platzenden Gazastreifen eingesperrt (und ausgesperrt, was die ausgereisten Gazabewohner betrifft),und wissen nicht, wann sich die Türen ihres Gefängnisses wieder öffnen werden.

„Am schwierigsten in Gaza ist das Warten auf alles. Jeden Augenblick warten wir, müssen geduldig sein, ohne Geduld hat man keine Chance.“

„Man muss warten, bis man wieder Strom hat. Muss warten, bis die Grenze wieder geöffnet wird. Muss warten, bis man sein Gehalt bekommt ( Wenn man Arbeit hat, 34% der Bevölkerung sind arbeitslos).

Man muss auf ein Sammeltaxi warten, weil wir zur Zeit eine gravierende Benzinknappheit erleben.Man muss auf alles warten und warten und warten.“

Diese kurze Liste von täglichen Frustrationen gibt nur einen kurze Auswahl der Dinge, die dich Tag um Tag verrückt machen, ersticken und deprimieren.

Dazu kommen die Gas- und Benzinkrise, die zerstörte Wirtschaft, die Patienten, die auf ihre Operationen und Medikamente warten.

Das “Palestinian Information Center“ berichtet, dass “die Krise in der Benzinversorgung Gazas zu einer humanitären und ökologischen Katastrophe führt, weil sie die wichtigsten Sektoren im Gazastreifen zum Stillstand bringt...190 Wasserquellen für 1,7 Millionen Einwohner und 4 Kläranlagen werden nicht mehr benutzbar sein“, mit dem Resultat, dass mehr Scheisse in die Küstengewässer Gazas gepumpt wird.(Meine Wortwahl, man kann es wirklich nicht anders beschreiben. Als ich das letzte Mal [November 2012] recherchierte, wurden 90 Millionen Liter Sewage täglich ins Meer gepumpt. Angesichts des Bevölkerungswachstums und häufigeren Stromausfällen nehme ich an, dass die Zahl angestiegen ist.)...

Bei der letzten Demonstration gegen die Belagerung Gazas sagte Abu Zakariya Baker, ein Vertreter des Landwirtschaftlichen Komitees: „Die Zahl der Festnahmen und Angriffe auf Fischer ist seit Israels Angriff auf Gaza im November 2012 dramatisch angestiegen,“ und „Über 50 Fischer wurden festgenommen und elf Boot zerstört,“ [im Jahr 2012 allein], berichtet Ma’an.

Vor einigen Wochen verurteilte Richard Falk, der Sonderbeauftragte der Uno für Palästina, (wieder einmal) die fortgesetzte, von Israel angeführte Blockade und die kollektive Bestrafung Gazas.

Die üblichen Statistiken: über 80% von Gazas 1,7 Millionen Einwohnern hängen von der Lebensmittelhilfe ab(die absolut nicht adӓquat ist, nur Mehl, Öl, Zucker und vielleicht Linsen...kein Obst oder Gemüse; kein Wunder, dass Blutarmut und Unterernährung so weit verbreitet sind.); über 90% des Wassers in Gaza ist nicht drinkbar (95% berichtet die WHO); täglich 12-stündige oder längere Stromausfälle; Fischer und Bauern werden von der israelischen Armee schikaniert und beschossen; strikte Exporteinschränkungen (was praktisch keine Exporte bedeutet); Ausreiseverweigerung für Patienten, die Behandlung in Krankenhäusern ausserhalb von Gaza benötigen;

Und jetzt kommen Berichte, dass ägyptische Bulldozer die Tunnel von Gaza zerstören, die zu einem grossen Teil den vollständigen Zusammenbruch von Gaza verhinderten. Der Middle East Monitor berichtet, dass die Bulldozer unter dem Schutz der Armee gestern mit der Zerstörung begannen.

Es überrascht nicht, dass nach einem Bericht von Al Monitor die Zahl der Selbstmorde in Gaza zunimmt.Man muss allerdings hinzufügen, dass die Selbstmordrate unter den Menschen ausserhalb Palästinas sehr viel höher wäre, wenn sie nur einem Bruchteil der Misere in Gaza erleben würden. Palästinenser gehören zu den durchhaltefähigsten Menschen, die ich je getroffen habe.

Mit den neuen und alten Entwicklungen, die in aller Stille ablaufen, dem unhörbaren Töten einer Bevölkerung, setzen israelische Bulldozer die verherrenden Zerstörungen des Grenzlandes von Gaza fort und „Occupied Palestine“ berichtet von der 204ten israelischen Verletzung des Waffenstillstandes vom November 2012.

Ich liebe die Sabr (Kakteen) in Gaza, aber ich habe die Dornen reichlich satt. Palästinenser haben ausreichend Geduld/uspoored gezeigt. („Kaktus“ und „Geduld“ werden ähnlich ausgesprochen).

Eve Bartlett, Remember Gaza?, 5. Juli 2013; http://ingaza.wordpress.com/2013/07/05/remember-gaza/#more-12788  (Übersetzt und leicht gekürzt von M. Lauer)

Grußwort Annette Groth zur Ausstellungseröffnung „Haft ohne Anklage. Rechtsbruch Widerspruch Ungewissheit“

Liebe Teilnehmerinnen und Teilnehmer an der Ausstellungseröffnung, liebe Organisatorinnen und Organisatoren, liebe Freundinnen und Freunde,

 aufgrund meiner Bundestagsrede zum Menschenrechtsbericht der Bundesregierung, die am späten Freitagnachmittag stattfindet, ist es mir leider nicht möglich, bei der heutigen Eröffnung dieser bedeutenden Ausstellung anwesend  zu sein. Das finde ich sehr schade, denn diese Ausstellung lenkt endlich das Augenmerk auf ein ausgesprochen wichtiges Thema – auf die zumindest in der Art ihrer Anwendung völkerrechtswidrige Administrativhaft in israelischen Gefängnissen.

Ich bin den Organisatorinnen und Organisatoren ausgesprochen dankbar für die Durchführung dieses hervorragenden Projekts und hoffe, dass auch unsere Medien endlich das Thema aufgreifen werden. Noch nicht einmal als Samer al-Issawi, der Palästinenser aus Jerusalem, der sich acht Monate im Hungerstreik befand, dem Tod nahe war, befanden es die großen deutschen Tageszeitungen für nötig, sich mit der Ursache, der Administrativhaft, auseinanderzusetzen und die Öffentlichkeit darüber zu informieren. Das ist ein Skandal, waren doch unsere Zeitungen voll mit den Nachrichten über Julia Timoschenko, als sie sich im Hungerstreik gegen ihre Haftbedingungen befand. Timoschenkos Hungerstreik dauerte wohl gemerkt etwa zwei Wochen an, ein Bruchteil von der Dauer des Hungerstreiks von Herrn Issawi – und überall war die Rede von möglichen bleibenden Schäden. Die palästinensischen Hungerstreikenden, von denen einige monatelang jegliche Nahrungsaufnahme verweigert haben, waren allenfalls für eine Randnotiz gut.

4 979 palästinensische politische Häftlinge sind derzeit in israelischen Gefängnissen inhaftiert, 156 davon sind Administrativhäftlinge. Sie werden ohne Anklage festgehalten und wissen noch nicht einmal, welche angeblichen Beweise gegen sie vorliegen, da diese – vorgeblich aus Sicherheitsgründen – geheim gehalten werden. Die Administrativhaft kann immer wieder verlängert werden und in Folge dessen sitzen Häftlinge teilweise Jahre und Jahrzehnte in Haft, ohne angeklagt und verurteilt zu werden. Das ist eine schwerwiegende Menschenrechtsverletzung!

In der Vierten Genfer Konvention ist klar definiert, unter welchen Umständen die Anwendung von Administrativhaft mit dem Völkerrecht vereinbar ist. Nicht zulässig ist mit Sicherheit die israelische Praxis: sowohl die routinemäßige Anwendung der Administrativhaft, wobei eine Überprüfung durch zivile Gerichte in einer Vielzahl der Fälle ausbleibt, als auch die Weigerung israelischer Behörden, Besuche von Angehörigen bei den Häftlingen zuzulassen und den Anwälten Zugang zu angeblich vorliegenden Beweisen zu gewähren, verstoßen gegen internationale Abkommen. Es ist offensichtlich, dass die israelische Regierung die Anwendung der Administrativhaft als Kollektivstrafe zur Einschüchterung der palästinensischen Bevölkerung versteht und einsetzt. Dies verbietet das Völkerrecht aber. Hinzukommen die mangelhafte medizinische Versorgung in den Gefängnissen und die regelmäßig angewandte Folter. Seit 1967 sind 73 Palästinenser durch Folter getötet worden. Der Tod von Arafat Dscharadat im israelischen Gefängnis im Februar diesen Jahres ist nur ein Beispiel unter vielen.

Besonders erschreckend ist die Tatsache, dass von Verhaftungen und Folter auch sehr viele Kinder betroffen sind. 236 palästinensische Kinder sitzen derzeit im israelischen Gefängnis, 44 davon sind unter 16 Jahre alt. Gerade die Anzahl von Kindern in israelischen Gefängnissen ist seit Beginn des Jahres sprunghaft angestiegen. Etwa 700 Kinder zwischen 12 und 17 Jahren werden jedes Jahr durch israelische Sicherheitsbehörden verhaftet und verhört. Der vor einigen Monaten erschienene UNICEF-Bericht „Children in Israeli Military Detention“ legt eindrücklich dar, dass die Misshandlung von Kindern in israelischen Gefängnissen „weit verbreitet, systematisch und institutionalisiert“ ist. Kinder werden mitten in der Nacht verhaftet und während der Verhöre gefoltert. Sie fühlen sich in dieser Situation allein gelassen, da weder Eltern noch Anwälte zugegen sind. Eine ganze Generation wird traumatisiert und selbst diejenigen, die noch nie selbst verhaftet wurden, sind häufig Zeuge der Verhaftung eines Elternteils oder anderer naher Verwandter geworden.

Im israelischen Militärsystem können Kinder schon ab 12 Jahren wie Erwachsene behandelt werden. Sie können bis zu 8 Tage festgehalten werden, ohne einem Richter vorgeführt zu werden; sie können bis zu 90 Tage ohne juristischen Beistand bleiben und bis zu 188 Tage, also 6 Monate, ohne Anklage festgehalten werden. Die Kinderrechtskonvention setzt für die Inhaftierung von Kindern noch weit strengere Standards an als für Erwachsene gelten: Kinder müssen sofort über die Gründe für ihre Inhaftierung informiert werden und ein Anwalt hat bei Verhören zugegen zu sein. Außerdem sind die Eltern umgehend zu informieren. Israelische Bestimmungen bezüglich der Inhaftierung von Kindern sind also keinesfalls mit der Kinderrechtskonvention in Einklang, geschweige denn die an ihnen begangene Folter.

Viele palästinensische politische Häftlinge sehen als einzige Möglichkeit, auf ihre Situation aufmerksam zu machen, den Eintritt in den Hungerstreik. Hunderte, ja tausende, palästinensische Häftlinge haben diesen Weg in den letzten Jahren gewählt. Und die Welt verschließt weiterhin die Augen. Samer al-Issawi verweigerte sich dem israelischen Angebot, aus dem Gefängnis entlassen zu werden und dafür zehn Jahre in den Gazastreifen zu gehen, ins Exil quasi. Er bestand darauf, in sein Haus in Jerusalem zurückzukehren und sich nicht vertreiben zu lassen. Im April wurde ein Abkommen mit der israelischen Militärstaatsanwaltschaft geschlossen, laut dem er noch 8 Monate im Gefängnis bleiben muss und dann nach Jerusalem zurückkehren darf. Die einzige Beschuldigung gegen Herrn Issawi lautete, er habe Jerusalem verlassen, um nach Ramallah zu fahren. Damit habe er gegen die Auflagen des Gefangenenaustauschs, in dessen Rahmen er vor seiner erneuten Verhaftung freigekommen war, verstoßen. Eigentlich hat er damit nur gemäß der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte gehandelt. Deren Artikel 13 lautet: „Jeder Mensch hat das Recht, sich innerhalb eines Landes frei zu bewegen…“ Dieses Recht wird tausenden Palästinensern tagtäglich verwehrt – wie noch viele andere Rechte mehr. Allein während der Zeit seines Hungerstreiks hat Herr Issawi diese acht Monate, die ihm nun erneut aufgebürdet wurden, abgesessen. Und keiner weiß, ob er danach tatsächlich freikommt und nach Hause – nach Jerusalem – zurückkehren darf.

Ich hoffe, dass Initiativen wie die Ihre dazu führen, dass die Welt endlich aufwacht und sich der Verbrechen, die täglich und stündlich geschehen, bewusst wird.

Wir müssen endlich Druck ausüben und so dafür sorgen, dass sich die israelische Regierung an das Völkerrecht hält – gerade auch im Umgang mit Kindern. Seit langer Zeit plädiere ich für eine Aussetzung des EU-Israel-Assoziierungsabkommens. Artikel 2 des Assoziierungsabkommens zwischen der EU und Israel verpflichtet die Vertragspartner zur Achtung demokratischer Grundprinzipien und der Menschenrechte. Hier können und sollten wir ansetzen, um alle Betroffenen, vor allem aber Kinder, zu schützen!

Mit solidarischen Grüßen Annette Groth

 

Die wissenschaftlich fundierte Ausstellung ‘ Haft ohne Anklage – Rechtsbruch Widerspruch Ungewissheit’ stellt sich der Thematik der Administrativhaft im Staat Israel. Sie ist als Wanderausstellung konzipiert und zuerst  in den Räumen der Evangelischen Studierendengemeinde Marburg, in der Rudolf-Bultmann-Straße 4 vom 29.06.2013 bis zum 12.07.2013 täglich jeweils zwischen 10.00 und 18.00 Uhr zu sehen. >>>

Palästinensische Gemeinschaften an der Peripherie Jerusalems riskieren gewaltsam vertrieben zu werden - 1.und 2. Teil

UN – Büro zur Koordinierung humanitärer Angelegenheiten im palästinensischen Gebiet. Juni 2013
http://unipal.un.org/unispal.nsf/47d4e277b48d9d3685256ddc00612265/d443c4a0ca637de385257b88004cde5c?openDocument
Hauptfakten
Ewa 2300 Palästinenser, zwei Drittel davon Kinder, leben in etwa 20 kleinen Gemeinschaften in den Hügeln östlich von Jerusalem in Zone C. (E1)
Über 80 % der Bewohner sind Flüchtlinge, ein Status, den sie nach ihrer Vertreibung 1950 aus dem Süden Israels angenommen haben.
Die Beduinengemeinschaften haben nach und nach den Zugang zu ihren Weideflächen verloren, weil sich die jüdische Siedlung weiter ausgedehnt hat.
Die meisten Familien haben anhängige Order zur Zerstörung ihrer Hütten, keine der Gemeinschaften hatten einen Stromanschluss und nur die Hälfte ist mit dem Wassernetz verbunden.
Die meisten dieser Gemeinschaften liegen inzwischen innerhalb der Gemeindegrenzen von Maale Adummim (Siedlung 36 000 E.) – ein Gebiet, das den Gemeindegrenzen von Tel Aviv gleichkommt (405 000 E.)
Beduinengemeinschaften in Zone C, die also von ihren Tierherden leben, sind die Empfindlichsten in der West Bank – etwa 34% Nahrungsmittel-Unsicherheit.
Zwischen 2008 und 2012 wurden mehr als 4000 Palästinenser, meistens Beduinengemeinschaften zwangsweise vertrieben, weil sie ihre Hütten ohne Genehmigung gebaut hätten
Mehr als 520 000 israelischer Zivilisten leben in israelischen Siedlungen, die im Widerspruch zum Internationalen Gesetz stehen; sie erhalten bevorzugte Behandlung, was die Zuteilung von Land betrifft und den Empfang aller allgemeinen Dienste (Strom. Wasser, Straßen …)

1. Kleine Beduinengemeinschaften in den Hügeln von Ostjerusalem stehen unter dem Risiko zwangsweiser Vertreibung auf Grund eines „Umsiedlungs“plans, der von den israelischen Behörden vorangetrieben wird. Die Behörden rechtfertigen dies auf Grund dessen, dass die Bewohner keine Besitzurkunden haben. Die Bewohner jedoch sind gegen diese Umsiedlung und bestehen auf ihrem Recht, zu ihrem ursprünglichen Land im südlichen Israel zurückzukehren. Bis dies geschieht, haben sie die internationale Gemeinschaft um Schutz und Hilfe an ihrem jetzigen Ort gebeten, einschließlich entsprechender Planung und Genehmigung für ihr Wohnen und den Besitz, den sie als Lebensunterhalt benötigen.

2. Eine Kombination von Maßnahmen israelische Behörden haben eine einschränkende-Umwelt für die Gemeinschaften geschaffen. Die Maßnahmen schließen beschränkten Zugang zu Weideflächen und zum Markt für ihre Produkte ein, was ihren Lebensunterhalt beeinträchtigt und ihre Abhängigkeit humanitärer Hilfe vergrößert; die Drohung der Zerstörung ihrer Unterkünfte, der Schulen und Ställe und die Beschränkungen, Baugenehmigungen zu erhalten. Die Behörden haben auch versäumt, die Gemeinden vor Belästigungen und Angriffen durch israelische Siedler zu schützen.

3. Der „Umsiedlungs“-Plan in seiner jetzigen Form lässt ernste rechtliche und humanitäre Besorgnis aufkommen. Da gab es fast keine Beratung mit den Betroffenen, denen erzählt wurde, dass sie keine andere Wahl hätten, als die Gegend zu verlassen. Die israelischen Behörden haben öffentliches („Staats“-)Land an zwei Orten zugeteilt, die für die Umsiedlung bestimmt und vorbereitet war. Doch beide Seiten erhoben schwere Bedenken: die begrenzte Verfügbarkeit von Weideland an den beiden vorgeschlagenen Örtlichkeiten wird das traditionelle Leben und die Kultur der Beduinengemeinschaften, so wie es für 150 Familien der Fall war, sehr beeinträchtigen. Sie waren aus dieser Gegend in den späten 90erJahren umgesiedelt worden. Eine dieser Örtlichkeiten liegt nahe an einer Müllhalde, die mit ernsthaften Gesundheitsbedenken verbunden ist.

4. Das Gebiet, in dem die Beduinengemeinschaften im Augenblick leben, ist für die Erweiterung israelischer Siedlungen vergeben worden. Dies schließt auch den E1 Plan mit ein, der den Bau von Tausenden neuer Wohnungen und Geschäfte mit sich bringt und so ein durchgehend bebautes Gebiet zwischen der Ma’ale Adumim-Siedlung und Jerusalem schafft. Während dieser Plan in den späten 90er-Jahren eingefroren war, verkündigte die Regierung jetzt seine Wiederbelegung. Das besagte Gebiet ist auch davon betroffen, von der Mauer umgeben zu werden. Wenn dies fertig gestellt worden ist, werden diese Pläne die palästinensische Präsenz in dem Gebiet und Ost-Jerusalem weiter vom Rest der Westbank absperren und die territoriale Verbindung der besetzten nördlichen und südlichen Gebiete unterbrechen.

5. Der UN-Generalsekretär hat erklärt, dass die Durchführung der vorgeschlagenen „Umsiedlung“ einer zwangsweisen individuellen und Massenvertreibung gleich käme, die nach dem internationalen humanitären Gesetz und dem Menschenrechtsgesetz (1) verboten sei. Als Besatzungsmacht hätte Israel die Verpflichtung, die palästinensische zivile Bevölkerung zu schützen und das Gebiet zugunsten dieser Bevölkerung zu verwalten. Die Zerstörung oder Konfiszierung von privatem Eigentum, einschließlich der Wohnhütten als auch der Transfer von Siedlern in die besetzten Gebiete sei auch verboten.

(1) Bericht des UN-Generalsekretärs vor der UN-Vollversammlung A/67/372, 13. September 2012, §37
(dt. Ellen Rohlfs)
 

Beduinen werden gezwungen, neben einer Müllhalde zu leben

Lucy Westkott, 3.6.13
 

Seit Tausenden von Jahren haben Beduinen in Palästina gelebt. Aber seit fast sechs Jahrzehnten müssen Beduinen ihr Land verlassen, werden „umgesiedelt“, um israelischen Siedlungen Platz zu machen.

Da  der Kampf der Beduinen als einheimisches Volk von Israel anerkannt werden will, setzt sich Eid Jahalin,49, (EJ) der in der Nähe von Jerusalem lebt, für sie  vor der UN  in New York ein. Jahalin glaubt, dass  „ Land ohne Volk“ Israels einziges Thema sei, während das umfassende Wissen der Beduinen über das Leben in der Wüste, das sie seit Jahrhunderten praktizieren und äußert wichtig ist, dies  auch bei Klimawechsel  zu erhalten, im Begriff ist, verloren zu gehen.

Lucy Westcott (LW)  sprach mit Eid Jahalin während seines kürzlichen Besuches in New York City  und den UN.

L.W. Welches sind die letzten Entwicklungen der israelischen Regierung, was die Umsiedlung der Beduinen betrifft?

E.Jahalin: Israel fährt mit denselben Vorschlägen fort, mit demselben Projekt und es arbeitet schneller daran. Es gibt keinen Druck auf Israel und keiner stoppt den Plan. Vor ein paar Tagen gab es Widerstand gegen den Plan, weil, als er veröffentlicht wurde, die Siedler über eine Beduinenstadt in Nuweimeh sprachen. Die Siedler sagten, sie wollen an den Beduinen keinen Rache) nehmen, als  ihnen gesagt worden sei, der US-Außenminister John Kerry, der kürzlich Israel besuchte, habe gesagt, sie müssten ihre Siedlungspläne aufgeben.

Moshe Yaalon, der israelische Verteidigungsminister, ist neu; er sagte, er wolle den Beduinen –Umsiedlungsplan studieren. Im Augenblick ist also etwas weniger Druck. Ich bin davon überzeugt, dass die Regierung und die Siedler zusammen arbeiten, dass sie Partner sind. Wenn es Druck gibt und die Regierung im Dreck steckt, dann aktivieren sie die Siedler und dann sagt sie, es seien die Siedler. Was sie selbst nicht machen kann, lässt sie die Siedler machen.

LW:  Wie lang besteht diese Situation?

EJ: Seit 1967 geht es so. Von 1967 – 1978 war es nur ein Problem mit der Armee, die Land nahm und erklärte, es wäre eine militärische Zone. Anderthalb Jahre später gab sie das Land an die Siedler. Nach 1978  begann das Chaos mit den Siedlern. Die letzte große Vertreibung war 1997-98 und fast 2000 Menschen wurden vertrieben.

Während jener Zeit gab es einen Prozess: man steckte jene Familien und Leute  in Container in der Nähe einer Müllhalde.  Bis heute gibt es Leute, die kein Geld haben und die noch immer dort leben – in Blechhütten.

LW. Wie sieht die Situation für die Beduinen heute 2013 aus?

EJ:  Eines der schlimmsten Probleme ist, dass viele Kinder, einige acht und jünger, die in der Nähe der Müllhalde geboren wurden, Krankheiten haben, die nicht einmal Hadassah, das israelische Hauptkrankenhaus in Jerusalem, kennt. Es gibt eine Familie – Mutter, Vater und drei Kinder – die diese Krankheit haben  und keiner weiß, was es ist. Krankenhäuser sagten, es sei das erste Mal, dass sie diese Krankheit sehen und sie sei ungewöhnlich. Die Kinder sind bis heute krank und bleiben zu Hause mit den Eltern.

………

Die Regierung erlaubt uns keinen Zugang zu einer natürlichen Wasserquelle. Und wenn ein Beduine in die Wüste geht, nehmen sie ihn vor Gericht und ins Gefängnis mit einem Strafgeld von 1000 -2000 Schekel (270- 540$).

Die Wüste ist der natürliche Platz für Beduinen, aber die Regierung erlaubt es nicht. Sie schließen die Beduinen weg, als ob wir ein Volk in einer Box  ???wären. Und wenn sie, die israelische Regierung, sagt, wir helfen dem einheimischen Volk, würde ich gerne wissen, wie sie helfen..

LW: Welche speziellen Erkenntnisse über das Leben in der Wüste haben Beduinen, das verloren geht wenn sie weiter umgesiedelt werden?

EJ: Vor einem Monat war ich z.B. im Jordantal in Jericho und jeder beklagte sich über die ungewöhnliche Hitze. Als ich nach Hause ging, hat sich keiner in meiner Familie über die  ungewöhnliche Hitze beklagt, weil wir als Beduinen die Hitze gewohnt sind und wissen, wann wir in die Sonne gehen  und wann nicht, wann in der Wüste Gefahren sind und wann nicht.

In New York weiß ich nicht genau, wo ich bin, aber in der Wüste kenne ich alles. Das Wetter wechselt in diesen Tagen, also muss ich daran denken, was jetzt getan werden muss. Weil ich in der Wüste lebe, ist es leicht für mich, mit den Veränderungen (des Wetters) klar zu kommen.  In der Stadt ist es anders.

Der Planet Erde ist eine sehr kleine Kugel. Wenn jemand ein Problem oder gar Schaden auf der anderen Seite anrichtet, dann merken wir es auf unserer Seite, also müssen wir das Land schützen-

LW: Da dies Ihr erster Aufenthalt bei den UN ist, was meinen Sie, dass die UN von der Situation der Beduinen lernen wird?

EJ: Ich hoffe, sie lernen eine Menge. Wir hoffen, ein  Licht auf die Situation der Beduinen werfen zu können, was ihnen geschieht; aber auch  auf die Situation der globalen Erwärmung. Ich kam hierher, um die Welt davor zu warnen.

(dt. und geringfügig gekürzt:. Ellen Rohlfs)

Israels Archivdokumente zeigen, dass Israels Gründer versuchten,

die palästinensische Nakba zu ignorieren

 Saed Bannoura, IMEMC  18. 5. 13

Ein in der israelischen Zeitung Haaretz veröffentlichter Bericht beschreibt, dass ein kürzlich in den Regierungsarchiven entdecktes Dokument enthüllt, wie die erste israelische Regierung, einschließlich des Ministerpräsidenten David Ben Gurion, versuchten, die Geschichte von Israels Gründung 1948 neu zu schreiben und die zwangsweise Vertreibung von über 750 000 Palästinensern zu leugnen.

Das Dokument mit der Nummer GL-18/17028 war anscheinend dem israelischen Militär-Zensor entgangen, der alle anderen historischen Dokumente, die sich auf Israels Staatsgründung 1948 bezogen, unter Verschluss hielt. Mit dem Historiker wie Benny Morris (und Ilan Pappe) die die kürzlich freigegebenen Dokumente im Details durcharbeiteten, wurden klare Beweise von Massakern an Palästinensern durch israelische Milizen bekannt, sowie  die zwangsweise Vertreibung des größten Teils der indigenen Bevölkerung Palästinas. Diese Dokumente, die frei gegeben worden waren, sind wieder versiegelt worden  und bleiben versiegelt.

Im Augenblick gibt es keinen Hinweis über einen Zeitpunkt, wann die Dokumente wieder freigegeben werden. Doch dieses eine Dokument, das dem Regierungszensor entgangen ist, berichtet über einen großen Teil der palästinensischen Nakba, an deren 65. Jahrestag von den Palästinensern und ihren Unterstützern gerade letzte Woche  gedacht wurde.

Nach dem Haaretz-Artikel „liefert das entdeckte Dokument genug Information: in vielen Fällen befahlen ranghohe Kommandeure den IDF, die Palästinenser zu vertreiben und ihre Häuser in die Luft zu sprengen. Das israelische Militär aktualisierte nicht nur Ben Gurions Aussagen über diese Ereignisse, sondern erhielt auch seine Genehmigung, schriftlich oder mündlich, besonders für Lod und Ramleh und für verschiedene Dörfer im Norden.

Das Dokument enthält auch Informationen über die israelische Propaganda-Kampagne, die nach der Vertreibung der Palästinenser begann. Ein Versuch, zu leugnen, dass das palästinensische Volk unter Zwang vertrieben wurde. Der Haaretz-Artikel offenbarte, dass in den frühen 60er-Jahren unter Druck der Kennedy-Regierung in den US, Ben Gurion eine Sonderkonferenz bei der UN über die Krise der palästinensischen Flüchtlinge hielt.

Nach den Autoren war „Ben Gurion davon überzeugt, dass das Flüchtlingsproblem zu aller erst eines des allgemeinen Image (Propaganda) wäre. Er glaubte,  Israel würde in der Lage sein, die internationale Gemeinschaft davon zu überzeugen, dass die Flüchtlinge nicht vertrieben worden seien, sondern geflohen waren.“

Eine der bei der Propagandakampagne gelieferten Lügen der frühen 60er-Jahre war eine Behauptung, dass die arabischen und palästinensischen Führer das palästinensische Volk ermuntert hätten 1948 zu fliehen. Aber der in dem einen veröffentlichen Dokument enthaltene Beweis belegt diese Behauptung nicht. Es waren die Massaker von israelischen Milizen in Orten wie Deir Yassin, in dem über 100 Männer, Frauen und Kinder in einer Reihe aufgestellt und erschossen wurden. Dies ließ so viele Palästinenser um ihr Leben fürchten und sie flohen.

Der Rest der Dokumente zu diesem Thema, einschließlich der Regierungsberichte und Militär-Narrative wurden für geheim erklärt. Viele der Original-Dokumente sind auch von der israelischen Regierung zerstört worden; einige von ihnen enthielten – nach Untersuchenden, die sie lasen – Berichte  von Massakern, Vergewaltigungen, Brutalität und exzessiver Gewalt, was dem israelischen Staat peinlich gewesen wäre, genau so, wie das Narrativ in Frage stellen, das die israelische Regierung liefert und die Geschichte, die den Kindern in der Schule gelehrt wird.

(dt. Ellen Rohlfs)

 

Israel: Die Vision und die Phantasie

Der politische Zionismus führte vor 65 Jahren zum Staat, schwankte seitdem aber zwischen diplomatischem und militärischem Aktivismus.

Von Shlomo Ben Ami, 23. Mai 2013

 

Israel, eine kühne, wahr gewordene Vision, feierte vor kurzem seinen 65. Geburtstag und zwar mit einem Gefühl wohlverdienter Befriedigung über seine außerordentlichen innenpolitischen Errungenschaften. Was seine Beziehungen zur Außenwelt jedoch betreffen, da hat es noch einen langen Weg zu gehen. Die jüdische Erfahrung mit internationalen Beziehungen ist historisch nicht besonders erbaulich. Ein jüdischer Staat hat nur kurze Perioden in der Geschichte  des Judentums existiert und beging zweimal politischen Selbstmord. Die Gründe waren immer dieselben: politisch-religiöser Fanatismus und der Fehler, die derzeitigen Weltmächte heraus zu fordern – also das zwanghafte Suchen des modernen Zionismus nach einem Bündnis mit einer Supermacht.

Ethnozentrismus muss die Beziehungen eines Volkes mit dem Rest der Welt negativ beeinträchtigen, und Israels Doktrin der Macht kam aus den Tiefen jüdischer Erfahrungen, besonders der ewigen, nicht zu vergebenden Feindseligkeit einer nicht jüdischen Welt. Die Rolle des Holocaust als Bestandteil des zionistischen  Meta-Narrativs verstärkte Israels Tendenz, der „Welt“, einem amorphen, aber  beeindruckenden Gedankengebäude, gegenüber zu stehen, mit dem die Juden ein Streitgespräch führen, das mit den traditionellen  Mitteln  internationaler Beziehungen nicht gelöst werden kann.

Dank des Zionismus‘, einer wesentlich säkularen nationalistischen Bewegung, kehrten die Juden zur politischen Aktion zurück und entwickelten die notwendigen diplomatischen Hilfsmittel. Aber, während der frühe Zionismus mit Pragmatismus  und diplomatischem Know-how gesegnet war, hat das Übergewicht des militärischen  Ethos der Nation in Waffen die Errungenschaften der außergewöhnlichen  Außenpolitik des Zionismus‘ degradiert und bis in eine ferne Ecke des israelischen Kollektivgedächtnisses geschoben.

Ein entscheidender Moment in der Geschichte von Israels Schwanken zwischen diplomatischem und militärischem „Aktivismus“ fand am Vorabend der 1967er Krieges statt.  Dieser Scheideweg deckte eine tiefe Kluft zwischen den jungen selbstsicheren in Israel geborenen Generälen auf, die boshaft gegenüber der  unterwürfigen Haltung  der älteren Generation waren, und den in der Diaspora geborenen Politikern, die von Holocaust-Erinnerungen  und existentieller Furcht vor internationaler Isolierung verfolgt, sich gegen einen Bruch mit dem alten politischen und diplomatischen Zionismus wehrten .

Die pragmatische Weisheit des frühen Zionismus ist leicht zu erklären: im Gegensatz zum antisemitischen Klischee der „jüdischen Macht“, war der Zionismus die nationale Bewegung eines schwachen Volkes, dezimiert durch Unterdrückung und Völkermord – ein Volk, das der Vernichtung gegenübersteht, wenn es die falsche Entscheidung bei einem entscheidenden Moment trifft.

Zugegeben, die zionistischen Führer verließen wirklich nie die  territorialen Träume – aber sie würden nie daran gedacht haben, die Errichtung des jüdischen Staates  aus dem einzigen Grund verzögern: sie hatten keinen Zugang zur Klagemauer oder dem Tempelberg. Das positive Ethos, eine neue Gesellschaft aufzubauen, war vermutlich der Grund, die Armut der territorialen Lösung zu kompensieren.

Der Sechs-Tage-Krieg 1967 stellte jedoch eine verhängnisvolle Wasserscheide dar. Israels Überraschungssieg erinnert an Hegels Diktum über „ Die Machtlosigkeit des Siegers“ Militärische Siege sind niemals endgültig und entschieden.

1980 versuchte der Historiker Jacob Talmon in einem berühmten offenen Brief mit dem Titel „Das Heimatland ist in Gefahr“ diese einfache Lektion mit Ministerpräsident Menachem Begin zu teilen. Talmon kritisierte den Glauben der israelischen Rechten, dass ein größeres „Ereignis“  radikal und auf Dauer die Situation zu Gunsten Israels verändern wird, und wies die „religiösen Sanktionen“ zurück, die angewandt wurden, um die unrealistische Politik in den besetzten Gebieten zu rechtfertigen. Er erklärte die messianischen Illusionen, die nach dem 6-Tage-Krieg  wiedergeboren wurden, als falsche Kompensation für das Leiden in der Shoa. Da gäbe es nichts Mysteriöses um Israels Sieg, behauptete er, es war  eine einfache Verkettung von Umständen.

Ein kleines Land wie Israel, dem eine ernste demographische Grundlage fehlt oder günstige geopolitische Bedingungen, könnte nie seine Präsenz in den besetzten Gebieten auf Dauer halten, behauptete Talmon. Deshalb liegt die Gefahr für Israel in der Sisyphus-Bemühung, die Palästinenser zu unterwerfen. „Der Führer ist blind, der nicht den Krieg der Rassen sieht, der vor uns liegt“ schrieb er.

Israels annexionistische Rechte würde ihre besiegten Kritiker mit der Behauptung  abweisen, dass das ganze zionistische Unternehmen ein unrealistischer Traum wäre, der wunderbarerweise wahr wurde. Tatsächlich wurde Israel  real, weil historische und politische Bedingungen es begünstigten und weil die zionistische Diplomatie erfolgreich die internationalen Beziehungen herausforderte.

Aber der Sieg vom Juni 1967 gab Israel nicht das Recht oder die Lizenz, sich unrealistische Ziele zu setzen. Nicht jede Fantasie ist eine Vision. Das Ethos von Israels extremer Rechten besteht  auf seiner beharrlichen Behauptung,  diesen Unterschied zu verwischen.

Der Fatalismus der Rechten in Bezug auf Chancen für Frieden ist ein sinnloser Ratgeber für die Außenpolitik. Politische Positionen  sind nicht ewig; sie sind immer für Veränderungen anfällig. Es ist auch nicht wahr, dass die Feindseligkeit der arabischen Welt gegenüber Israel nicht beeinflusst  werden kann. Die Araber mögen niemals das moralische Recht des Zionismus akzeptieren, aber  wie die arabische Friedensinitiative beweist, würden sie die politische Legitimität eines jüdischen Staates anerkennen.

Nicht einmal Israels standhafteste Verbündete werden eine  unbestimmte Konfrontation mit der ganzen internationalen Gemeinschaft riskieren, indem sie Israels territoriale Ambitionen unterstützen. Vernünftige Grenzveränderungen sind eine Sache; das jüdische Empire zu legitimieren, ist eine andere Sache.

Internationale Anerkennung der Situation, die 1967 von Israels Sieg geschaffen wurde, bewies sich als extrem kurzlebig. Als ein Krieg der Erlösung und des Überlebens sich in einen Krieg der Eroberung, der Besatzung und Annexion verwandelt, schreckte die internationale Gemeinschaft zurück, und Israel geht in die Defensive. Seitdem ist es dort geblieben.

 

Shlomo Ben-Ami, ein früherer israelischer Außenminister und Sicherheitsminister  des Inneren ist Vize-Präsident des Internationalem Toledo-Friedenszentrum Er ist der Autor von  „Scars of War, Wound of Peace: the Israelish-Arab Tragedy“

(dt. Ellen Rohlfs)

 

Israel bis in seine Gerichtsbarkeit macht, was es will - Weil es alle Proteste ignoriert und Proteste ohne Konsequenzen sind !

Brand aktuell: Gerichtsentscheidung CREMISAN

Das Special Appeals Committee hat zwei Monate nach der siebenstündigen Anhörung vom 12. Februar, jetzt entschieden, dass die bisherige Plaung zum Mauerverlauf, bei dem das Kloster der Cremisan-Nonnen, der Kindergarten und die Schule auf drei Seiten von der Mauer umgeben sein wird und ein Großteil des Konvent-Bodenbesitzes enteignet werden wird, "eine angemessene Lösung ist, die Israel erwägt".

Diese Lösung würde einen angemessenen Ausgleich schaffen zwischen dem Bedürfnis Israels nach Sicherheit und dem Recht auf Freiheit der Religion und des Rechtes auf Ausbildung auf der anderen Seite.
Das angedachte "Tor" würde es sowohl ermöglichen das Salesianerkloster auf der anderen Seite der Mauer zu besuchen, wie es den Bauern der Umgebung die Nutzung ihrer Felder ermöglichen würde, vor allem auch, weil der Staat Israel zugesagt habe mit Genehmigungen "flexibel" umzugehen.

Mit dieser Entscheidung hat das Gericht alle Argumente der Kläger ignoriert.

St. Yves denkt darüber nach die Angelegenheit nun vor das Oberste Zivilgericht zu bringen.

 

Hier die Originalmail aus Jerusalem:

The Israeli Special Appeals Committee for land seizure under emergency law released its verdict last Wednesday 24/04/2013, in the case of the Cremisan Valley against the separation wall. The verdict ruled in favor of the proposed second route which leaves the convent on the Palestinian side of the wall. With this decision the appeals submitted by Advocate Ghayyath Nasser who represented the land owners in the Cremisan Valley and the lawyer of the Society of St. Yves, Advocate Manal Hazzan-Abu Sinni, who represented the nuns of the Salesian Convent, were all together rejected. The decision came out two months after the final hearing on 12th of February and after seven years of proceedings.

The committee decided that building the separation wall according to the alternative route which will surround the Salesian Nuns Convent and Primary School from three sides and will confiscate most of the convent’s lands, is a reasonable solution that balances Israel’s
security needs on one hand, and freedom of religion and the right to education on the other.

The Society of St. Yves was initially successful in changing the primary course of the wall, by which the Convent and the School will remain on the Palestinian side of the wall. Still the Society of St. Yves sees the verdict as highly problematic and unjust as it doesn’t even discuss the violation of freedom of religion, the right to education as well as the economical damage caused for a unique Christian minority in Beit Jala by the construction of the wall.

In the decision it is emphasized that the nuns were allowed to join the case at a late stage, which resulted in altering the primary suggested route of the wall and left the convent on the Israeli side. Through the new route the school and the convent are not separated from Beit Jala anymore. By approving the alternative route the educational mission of the school will not be affected as the street leading to the compound will remain open. The committee also declared that the claims regarding future expansion of the school and convent are weak arguments which have no legal implications as they were not backed by plans or maps approved by the authorities.

Furthermore, the committee considered that the agricultural gate that is planned to be established near the convent will allow passage of the nuns and monks to the Salesian Monks Monastery on the other side of the wall which will guarantee their right of freedom of religion. The gate would also allow farmers and landowners to access their lands, especially that the State has declared in front of the committee to be flexible in issuing permits.
The committee has ignored all testimonies and claims of the landowners regarding the damage caused to their land by building the wall and the fact that it will separate them from their lands.

The committee ignored all references and arguments based on international law like the protection of religious minorities. It also rejected the expert opinion given by Professor Judy Green on the environmental damage to the valley which would be caused by building the wall.

Finally, the committee concluded that its authority is only to decide on one and a half kilometer of the separation wall. Thus it sees no possibility of refusing the proposed alternative route as it lies not in its responsibility to approve the proposed route by the landowners and the nuns beneath Gilo as this would actually mean the dismantling of the adjacent, already built parts of the wall.

St. Yves will consider taking the case to the High Court. A translation of the verdict to English will follow.

 

Abschiedsbrief aus Palästina – Freedom Theater Jenin

Leona Vicario, 14.4.13

Es ist das Jahr 2090. Ein heftiger Beschuss des Gazastreifens  wird auf eine Filmwand projiziert.  Amal eine Studentin,  wird mitten auf der Bühne sichtbar. Sie liegt in einem Krankenhausbett. Ihr Herzschlag hat schon aufgehört und sie wird in einem Medizinzentrum  von Medizinern, die weiße UN-Kittel tragen, wieder belebt.

Das Freedom-Theater in Jenin beginnt mit dieser Szene bei ihrer letzten Aufführung, „Abschiedsbrief aus Palästina“, die am 4. April  zum 2. Jahrestag des Mordes an Juliano Mer Khanis, dem Gründungsdirektor des Jeniner Theaters, gedenkt. Er wurde tot aufgefunden, nachdem maskierte Schützen vor zwei Jahren ihn  auf dem Platz vor dem Theater im Jeniner Flüchtlingslager erschossen hatten. Sein Fall ist bis zum heutigen Tag nicht aufgeklärt worden.

Die Schauspieler führen die Zuschauer in eine  visuelle Tour, die in den Alptraum eines palästinensischen  Mädchens führt und zwar in der Nacht vor ihrem Examen in Geschichte. Licht und Schatten schaffen eine beunruhigende Atmosphäre, in der sie gezwungen sein wird, mit all den externen  Hauptschauspielern, die eine fundamentale Rolle in der augenblicklichen Situation in Palästina gespielt haben, zu interagieren. Eine Video-Kamera übernimmt die Rolle eines Schauspielers, da sie das Schicksal Palästinas dokumentiert und Zeugnis ablegt – indem sie die Realität der internationalen Gemeinschaft widerspiegelt.

„Dieses Spiel ist wichtig, weil es auf  den Schmerz innerhalb des Gemütes und Geistes des palästinensischen Volkes hindeutet“, sagt die Regisseurin Nabil Al-Raee, die mit dem Freedom-Theaterprojekt von Anfang an verbunden war.

Während ihres Traumes wird Amal eingeladen, an einer UN-Vollversammlung teilzunehmen und Palästina zu vertreten. In ihrer Rede verkündet das Mädchen, das ihr Land verkörpert, ihre Entscheidung, als politischen Akt zu sterben, da sie von der Hoffnungslosigkeit und dem Im-Stich-gelassen-werden, an dem Palästina leidet, genug hat. Die gewalttätige israelische Armee, Israel als Besatzungsmacht, ein damit einverstandenes Europa, die  paternalistischen US, die heuchlerische und  egoistische arabische Welt zusammen mit einem UN-medizinischen Pflegeteam, das die Aufgabe hat, Palästina während seines Aufstandes unter Drogen zu setzen – dies alles sind die Hauptakteure, die Amal während dieses intensiven Rückblicks auf Land, Geschichte, Politik und die Besatzung des Landes verwirren und schikanieren.

„Es ist eine Sondierung der Identität, und es benützt soziale Satire, um das Bild des nationalen Trauma des palästinensischen Volkes darzustellen“, beschrieben die  Regisseure  der Aufführung.

Ausdruck der palästinensischen Identität durch die Aufführung.

Die Hauptrolle spielende Schauspielerin, Christine Hodali, 24, ist Teil der palästinensischen Generation, die ihr ganzes Leben unter Besatzung lebte. Sie müssen  nach innen und nach außen kämpfen, um in einem gewissen Kontext, der von starker Hoffnungslosigkeit und  Mangel an Möglichkeiten geprägt ist, zu ihrer eigenen Identität zu finden. Diese Generationen müssen  den Weg finden, um ihren Kampf in Bezug auf ihre Zuneigung zum Land, das Flüchtlingsproblem, gesellschaftliche Grenzen und Traditionen auszudrücken, ohne zu vergessen, wer sie sind.  Christine fand ihren Weg beim Theater.

„Für mich als palästinensische Frau bietet  das Theater einen Freiraum, einen Weg, meine Gefühle zu zeigen; meine Stimme ohne Grenze oder Hindernis zu erheben. Keiner kann mich auf der Bühne zum Schweigen bringen. Ich kritisiere oder denke über die Familie, Kultur, Politik oder andere  Themen nach und verbreite meine Ideen wie einen Pfeil“, erklärt sie. 

„Diese neue Aufführung versucht  das Bewusstsein der Palästinenser zu heben, sie aufzuwecken und  ihnen die augenblickliche Situation hier klar zu machen“, sagte sie. „Wir wollen, dass sie für Palästina aktiv werden, nicht nur herum zu sitzen und beobachten, was geschieht. Alle Palästinenser sollten darüber nachdenken, was wir tun könnten,  wie wir auf eine Lösung hinweisen könnten. Und das Theater kann zu einem Wandel beitragen, den ich wahrnehmen kann. Die Botschaft  erreicht sie.

„Abschiedsbrief aus Palästina“ gründet sich auf das Spiel „4:48 Psychose“ von Sarah Kane, einer englischen Dramatikerin, die ihre Dramen rund um existentialistische  Gedanken entwickelt. Nabil  sah sich „4:48 Psychosis“ an und überlegte, wie dies dem Freedom-Theater angepasst werden  könnte.

„Wir begannen damit, es zu lesen und dachten ok,  wir diskutierten darüber. Wer redet hier?  Und wir dachten, selbst wenn wir den klassischen Text bringen oder gar die Literatur von Shakespeare, müssen wir es in der einen oder anderen Weise in unsere Realität umsetzen.“

So dachten wir an ein Mädchen, das Palästina darstellt, es redet über seine Träume und Alpträume, über Männer, was (in ihrer Realität) geschieht,“  fuhr Nabil fort. „Die Idee kam von dort und wir folgten einem Prozess des Entdeckens, wirklichen Entdeckens, was die Lösung sein könnte, was wir verändert haben wollten… dieses Spiel kam uns entgegen, weil unsere allgemeinen Gefühle, dass Palästina von Tag zu Tag mehr verschwindet, und keiner wirklich etwas tut und gegen die völlig gefälschte  Idee, wir seien Gleiche.  Zuerst muss man sich selbst  als stark und gleich empfinden und danach wird man Frieden haben. Aber man bringt keinen Frieden, wenn man über sich einen Stiefel (der Unterdrückung) fühlt, der dich sagen lässt:“ Lasst uns Friedenleben.“

Durch Kunst/Theater widerstehen

Das Freedom Theater wurde 2006 gegründet, indem es der Idee eines vorausgehenden Projektes folgte, das von Arna Mer-Khamis, Julianos Mutter in Jenin geleitet wurde.  Dieses Projekt zielte dahin Theater und Künste zu benützen, um die Kinder während der 2. Intifada  dahin zu bringen, mit  direkten Traumata, chronischen Ängsten und Depressionen fertig zu werden.

Seine Mitglieder hatten alle Schikanen, Verfolgungen und Haft durchgemacht, aber das hat sie nicht abgeschreckt. Das Ziel des Freedom Theaters ist, kulturellen  Widerstand zu entwickeln. Die Mitglieder des Theaters sind davon überzeugt, dass die Künste ein wirksamer Pfad sind, um eine freie und starke Gesellschaft aufzubauen.  Als erstes ermutigen sie zur Freiheit des Ausdrucks und  zur Achtung vor den individuellen Rechten, zum  Integrieren kultureller Aktivitäten, zum Brechen von Tabus, zur regen Zusammenarbeit  und zur Verbesserung  des Verständnisses unter einander.

Wie die Mitglieder des Projektes zeigen, ist Theater spielen eine Art des Widerstandes.

„Ich denke, Theater ist mitreißend. Man muss  nachforschen und hinterfragen“, sagte Nabil. „Es gelang uns, das ganze Problem Palästina von der politischen Seite in eine Geschichte des Theaters umzuwandeln. Unser Ziel ist es, eine künstlerische und politische Basis für Künstler zu finden. Wir haben schließlich den Rahmen gefunden, in dem wir reden können“.  http://counterpunch.org/2013/04/12/suicide-note-from-palestine

(dt. Ellen Rohlfs)

 


Wir dürfen das Massaker in Deir Yassin nie vergessen

Dina Elmuti  8.4.13

Während ich die lebendigen Details des Berichtes beschreibe, die sich in das Gedächtnis  meiner Großmutter einprägten, bin ich entsetzt über all das, was sie 65 Jahre lang in sich behalten hat. Ich schreibe die Geschichte auf, die tief in ihrem Bewusstsein ruhte, um ihre Wahrheit zu bestätigen. Ohne sie würde dies nie aufgeschrieben worden sein.

Ich studierte die Falten im Gesicht meiner Großmutter genau, weil ich weiß, dass hinter jeder eine  zeitlose Geschichte von unsagbaren Schmerz, Überlebensgefühl und Hoffnung liegt. Diese Geschichte, mit der die anhaltende Enteignung, das Leiden und die Unterdrückung des palästinensischen Volkes begann, ist eine, die sich weigert, verschwiegen oder vergessen zu werden. Es ist die Geschichte von Deir Yassin.

Man erinnere sich an das Datum: Freitag den 9. April 1948, einen Tag der Infamie in der palästinensischen Geschichte. Meine Großmutter war in den Tagen des Deir Yassin-Massakers neun Jahre alt und seitdem lebt sie jeden Tag mit der Verpflichtung, dies nie zu vergessen.

Vorahnung

Der Donnerstag der 8. April endete in dem kleinen, ruhigen Dorf wie jeder andere Tag. Meine Großmutter und ihre jüngere Schwester kehrten von der Schule heim, um ihren Aufsatz  mit der Überschrift „Asri“ („Eile!“) fertig zu schreiben. Sie erzählt lebhaft dieses Detail. Wie andere Kinder ihres Alters wollte sie diese Aufgabe schnell fertig machen, um den nächsten Tag (einem Ruhetag) ganz zum Spielen frei zu haben.

Die Vorfreude dauerte jedoch nicht lange. Ich kann nicht anders, als an die Ironie der Überschrift der Hausaufgabe „Eile!“ zu denken – es ist fast so, als wäre es eine Art Vorahnung gewesen.

Am folgenden Tag rannten ganze Familien überstürzt vor Schrecken, flohen aus ihren Häusern, um einem Blutbad zu entkommen. Ab dem Morgengrauen dieses Freitags war das Leben, wie sie es kannten, nie wieder dasselbe. Deir Yassin würde nie wieder dasselbe sein.

Man ließ  Väter, Großväter, Brüder und Söhne entlang einer Mauer  sich aufstellen und dann hagelten Schüsse auf sie. Verehrte und geliebte Lehrer wurden mit Messern verstümmelt. Mütter und Schwestern wurden als Geiseln genommen, und die, die durch Flucht überlebten, kehrten zurück und sahen die Straßen des Dorfes voller Blut, und die Kinder waren über Nacht ihrer Kindheit beraubt.

Die Hauswände – sonst Zeugen von Wärme, Gelächter und Freude – waren mit Blut verschmiert und  weckten traumatische Erinnerungen. Meine Großmutter verlor  an diesem Tag 37 Mitglieder ihrer Familie. Dies sind Geschichten,  die man in den meisten Geschichtsbüchern nicht finden wird.

 

 

Bitteres Symbol

Das Deir Yassin-Massaker war weder das größte Massaker, noch war es das grausigste. Die begangenen Brutalitäten, der Grad an Gewalt und die Komplexität der Methoden und  heimtückischen Waffen, die Israel  während der letzten Jahrzehnte gegen Zivilisten  angewandt hat, sind bei weitem sadistischer und bösartiger. Aber Deir Yassin  markiert einen der entscheidendsten Wendepunkte in der palästinensischen Geschichte.

Es ist ein bitteres Symbol, das sich im palästinensischen Wesen und in sein Narrativ tief eingegraben hat; es hallt scharf als das Ereignis wieder, das unsere anhaltende Nakba (Katastrophe) beschleunigt, die durch die erzwungene Vertreibung von 750 000 Palästinenser aus ihren Häusern gekennzeichnet wird und so die größte Flüchtlingsbevölkerung weltweit schuf, deren Hälfte in der Diaspora lebt.

Deir Yassin ist  seit 65 Jahren eine ätzende Erinnerung des anhaltenden Leidens und Kampfes, ja eines systematischen Genozid des palästinensischen Volkes. Als das Dorf  derart in Schrecken versetzt wurde, liefen Schockwellen von Terror durch Palästina und legten den Plan für die Architektur des heutigen Apartheidstaates Israel.  …

Das Narrativ der Überlebenden wird wie das Blut durch die Adern eines jeden palästinensischen Kindes weitergegeben. Und solange unsere Herzen schlagen, werden die Symbole des palästinensischen Lebens  -wie Widerstand, Unverwüstlichkeit und Hoffnung -  weiter stark bleiben.

Wir sind wie der Olivenbaum, der unerschütterlich und entschlossen  auf seinem Grund und Boden mit Geduld  tiefverwurzelt zu bleiben wünscht. …

Dina Elmuti ist Sozialarbeiterin, die die Auswirkungen von chronischen traumatischem Stress und Gewalt auf die physische, psychische und psychosoziale Gesundheit von Kindern  untersucht – in Chikago und Palästina.

(dt. und stark gekürzt: Ellen Rohlfs)

http:// elektronicintifada.net/content/we-must-never-forget-massacre-in-deir-yassin

 

Es ist illegal, in Palästina ein Kind zu sein

27 palästinensische Kinder kamen diese Woche nicht zur Schule;
 IDF-Soldaten lagen wegen ihnen in Hebron im Hinterhalt.

Gideon Levy und Alex Levac, 30.3.2013 

Wir konnten uns nicht helfen: beim Anblick des jungen, eben entlassenen Verhafteten hatten wir einen Lachanfall. Aber das Gelächter verwandelte sich schnell in traurige Verlegenheit. Der Verhaftete war ein Junge von 8 Jahren, der in der 2. Klasse ist. Als wir ihn diese Woche auf der Straße in Hebron trafen, war er auf dem Weg zu seinem Großvater. Er trug einen roten Pullover mit dem Bild einer Mickeymaus. Er lächelte scheu. Seine Mutter hatte ihn gebeten, dem Opa etwas zu bringen. Der achtjährige Ahmed Abu Rimaileh war nicht das Jüngste der Kinder mit einem Schulranzen auf dem Rücken, die die IDF-Soldaten am frühen Mittwoch letzter Woche verhafteten: Sein Freund Abdel Rahim, der mit ihm verhaftet wurde, ist erst 7 und in der ersten Klasse.  27 palästinensische Kinder kamen an diesem besonderen Tag nicht in die Schule. IDF-Soldaten lagen wegen ihnen ab dem frühen Morgen in den Straßen des Hebroner Stadtteils, der unter Armeekontrolle ist, auf Lauer und verhafteten sie willkürlich. Erst nachdem sie alle in Haft waren, prüften die israelischen Sicherheitskräfte die Videoaufnahmen, die in ihrem Besitz waren, wer von den Jüngsten Steine gegen den Checkpoint N. 160, der ihren Stadtteil vom jüdischen Viertel trennt, geworfen hat. Es war vor ein paar Wochen hier, wo IDF-Soldaten einen Teenager, Mohamed Suleima, töteten. Er hielt in der Hand ein Feuerzeug, das wie eine Pistole aussah.

Die meisten jungen Kinder wurden innerhalb von Stunden entlassen. Die Älteren wurden ein paar Tage in Haft gehalten, bevor sie gegen Kaution freigelassen wurden. Ein Erwachsener, der versuchte,  die Verhaftung eines Kollegensohns zu verhindern, wurde diese Woche vor Gericht gebracht.

Die Tatsache, dass 18 der Kinder unter 12 Jahre alt waren, also nach dem israelischen Jugendgesetz unter dem Alter für kriminelle Verantwortlichkeit (Urteil, Strafe und Methoden der Behandlung) war offensichtlich für die IDF, die israelische Polizei oder die Grenzpolizei von keinem Interesse. Auch nicht der schwerwiegende Bericht, der nur zwei Wochen zuvor vom UN-Kinderfond veröffentlicht wurde und der Israel verurteilte, weil es in den letzten zehn Jahren 7000 palästinensische Kinder verhaftet hatte.

„Schlechte Behandlung der palästinensischen Kinder im israelischen Militär-Gefängnissystem  scheint weit verbreitet, systematisch und institutionalisiert zu sein,“ stellte der UNICEF-Bericht fest und fügte hinzu, „in keinem anderen Land werden Kinder systematisch von  Militär-Jugendgerichten verurteilt“.

Eine Freiwillige der ISM, einer propalästinensischen Aktivistengruppe, die mit einer Video-Kamera die Operation, in der die Kinder verhaftet wurden, dokumentierte, gab dies an B’Tselem weiter. Das Israelische Informationszentrum für Menschenrechte in den besetzten Gebieten und B’Tselem gaben uns diese Dokumentation.  Ein Soldat wird gesehen, wie er ordinärauf den Boden spuckt, ein anderer trägt den Schulranzen seines kleinen Verhafteten – als ob er ein Babysitter wäre , der kam, um das Kind nach Hause zu begleiten. Die Amateurfotografin von ISM wurde noch am selben Tag von Israel deportiert, nachdem sie die Frechheit besaß, in Hebronn einer Demonstration gegen den Besuch von Präsident Obama teilzunehmen.

Tatsächlich fand der Massenarrest der Kinder am 20. März statt, an dem Tag, an dem Obama in Israel ankam und einen Tag bevor er seine Bemerkungen über palästinensische Kinder in Jerusalem machte. „ Geht in den Schuhen der Palästinenser, versetzt euch in die Lage der Palästinenser,“ sagte der Präsident den Israelis.

Früh am selben Morgen bemerkten die palästinensischen Bewohner von Hebron Dutzende israelischer Soldaten, wie sie Positionen auf den Straßen und Dächern in ihrer Nachbarschaft einnahmen. Ein ängstlicher Bewohner rief die B’Tselem-Mitarbeiterin Manal al-Jaabari an und fragte, was denn vor sich ginge.

Was Ahmed Abu Rimallah betrifft, so wachte er um 7Uhr  an diesem Morgen auf, bekam von seiner Mutter 2NIS als Taschengeld, und machte sich auf den Schulweg. Er besucht die Hadija-Grundschule weiter unten an dieser Straße. Noch drei andere Schulen liegen in der Nähe, die zu einem Schulkomplex gehören, der nur wenige 100 m vom Checkpoint entfernt liegt.

Sein Vater Yakub ist Bauarbeiter, seine Mutter, Hala sitzt nun mit uns in ihrem Wohnzimmer. Auf dem Schulweg hielt er am Eckladen und kaufte ein Päckchen Keks für 1NIS  und hielt den andern Schekel für die Pause zurück. Als er den Laden verlassen wollte, kamen sieben oder acht Kinder plötzlich hereingerannt – einige in seinem Alter, einige älter. Hinter ihnen waren Soldaten, die die Kinder im Laden verhafteten.

Ein Soldat befahl Ahmed, die Kekse in seinen Schulranzen zu tun, bevor er ihn an der Schulter packte und ihn zum Checkpoint zog. Ahmed sagt, er habe große Angst gehabt und gab auch zu, geweint zu haben, wenn auch nur ein bisschen. Am Checkpoint wurden er und alle anderen verhafteten Kinder in einen Armeewagen gestoßen – 27 Kinder in einem Wagen. Einige saßen, einige standen..

Es waren drei Soldaten mit ihnen im Fahrzeug. Einige der Kinder weinten und die Soldaten sagten, sie sollen ruhig sein, Ein Kind wurde geschlagen. Sie wurden alle zur nächsten israelischen Polizeistation, nahe dem Patriarchengrab (Abrahamsmoschee), gebracht. Man sagte ihnen, sie sollen sich auf den Boden eines geschlossenen Hofes setzen. Die Kinder über 12 Jahre wurden von den jüngeren getrennt und zur Polizeistation in Kiryat Arba und später ins Ofer-Gefängnis, nördlich von Jerusalem, gebracht.

Ahmed Burkan, 13, wurde nicht vor dem Abend entlassen. Malik Srahana, auch 13, wurde drei Tage lang im Ofer-Gefängnis gehalten, bevor er gegen 2000 NIS Kaution entlassen wurde. B’Tselem-Mitarbeiter Musa Abu Hashhash, der ihn kurz nach der Entlassung traf, sagte, er habe Anzeichen von Traumata gehabt.

Nach einem Bericht des Internationalen Roten Kreuzes für B’Tselem seien 18 der verhafteten Kinder unter 12 Jahren gewesen. Sie wurden in dem Hof mit einem Polizisten fest gehalten, der sie fast zwei Stunden bewachte. Keiner bot ihnen etwas zu essen oder zu trinken an.

Die Kinder baten darum, auf die Toilette zu gehen, was ihnen verboten wurde, erinnert sich Ahmed. Der Polizist fragte, wer unter ihnen Steine geworfen hätte, aber keiner meldete sich.  Er fragte dann, ob sie wüssten, welche Kinder Steine geworfen hätten und sie nannten zwei der älteren, die  von ihnen getrennt und verhaftet worden sind.

Nach einiger Zeit kamen drei Jeeps und brachte die jüngere Gruppe zum Checkpoint 56, nahe der Siedlung von Tel Rumeida. Dort trafen die Kinder drei palästinensische Polizisten, die sie zu ihrer Polizeistation mitnahmen. Sie bekamen dort etwas zu essen. Sie wurden gefragt, wer Steine geworfen hatte. Alle hoben ihre Hand.

Die Eltern wurden gerufen, zur Polizeistation zu kommen und ihre Kinder abzuholen. Ahmed Eltern und  die von vier andern kamen nicht. Diese fünf Kinder wurden mit dem Auto des palästinensischen Kultusministerium nach Hause gefahren. Ihre besorgten Eltern warteten auf sie.

Hala sagt, sie sei nicht böse auf ihren Sohn. Sie bat ihn nur, das nächste Mal, wenn er von Soldaten verhaftet werde, nicht zu weinen. „Wir haben uns daran gewöhnt“, sagt sie und fügt hinzu, dass ihr Sohn in der letzten Nacht von der Verhaftung geträumt habe.

Am Tag nach dem Vorfall wollte Ahmed nicht zur Schule gehen, wurde aber von seinen Eltern überredet, doch zu gehen. Einen Tag lang war er unter den Kindern ein Held: „Ahmed, der entlassene Verhaftete.  Er ging an diesem Tag nicht ins Klassenzimmer, sondern blieb stattdessen im Büro des Schulleiters. Er will einmal Arzt werden, wenn er erwachsen ist, wie ein paar Verwandte, erzählt er uns. Seine Mutter sagt, er sei ein guter Schüler und ein guter Junge.

Ahmed hat sieben Geschwister. Die fünf Jungen schlafen in einem Raum in zwei  Betten und auf Matratzen auf dem Boden. Dann ist da noch ein alter Computer, der abgeschaltet ist. Sie haben keine Internetverbindung. Auf der Straße ist ein junger Hausierer – im selben Alter wie Ahmed. Man hört ihn, wie er seine Waren feil bietet. Nach der Schule verkauft der Junge Halabi, eine süße hausgemachte Paste von Öl triefend, für einen halben Schekel,

(dt. und geringfügig gekürzt: Ellen Rohlfs)
http://desertpeace.wordpress.com/2013/03/30/its-illegal-to-be-a-child

 

1. April Berlin Vereinigung palästinensischer Frauen in Deutschland - 3. Jahreskonferenz.
Gedacht wurde auch dem Tag des Bodens - Solidarisierung mit den palästinensischen Gefangenen in Palästina.

 

Grußwort Annette Groth zur dritten Jahreskonferenz des Palästinensischen Frauenverbandes - pdf - Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Mitglieder des Palästinensischen Frauenverbandes, liebe Freunde, leider ist es mir heute nicht möglich, an der dritten Jahreskonferenz des Palästinensischen Frauenverbandes in Deutschland teilzunehmen. Darum wähle ich diesen Weg, meine Solidarität auszudrücken. Meine Solidarität mit den Menschen in Palästina, die seit Jahrzehnten unter Besatzung leben. Und gerade vor dem Hintergrund der immer noch andauernden Hungerstreiks von Palästinensern möchte ich meine Solidarität mit allen politischen Häftlingen in israelischen Gefängnissen ausdrücken. Seit über 240 Tagen befindet sich Samer al-Issawi im Hungerstreik. Gemeinsam mit anderen Häftlingen tritt er mit seinem Leben für grundlegende Rechte ein. Mehrere Palästinenser im israelischen Gefängnis sind wegen dieses Einsatzes dem Tode nahe. Einige haben ihren Hungerstreik vorübergehend unterbrochen, Ayman Sharawneh wurde freigelassen. Aber um welchen Preis? Zehn Jahre lang darf er den Gazastreifen nicht verlassen. Man verweigert ihm damit das jedem Menschen zustehende Recht, an seinen Heimatort zurückzukehren. Artikel 13 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte  >>>

 

 

 

Gangnam Gaza Style

"Wir wollten etwas unternehmen, um die Aufmerksamkeit auf die schlimme Situation der palӓstinensischen politischen Gefangenen zu richten, von denen es 5000 in israelischen Gefӓngnissen hat, einschliesslich der Hungerstreikenden, Kinder, Frauer," sagt Mohannan Barakat, 30, einer der sieben Palӓstinenser, die Gangnam Gaza Style herstellten.

In einer Parodie des südkoreanischen Videos 'Gangnam Style', das Mitte 2012 die Hitlisten dominierte, bald nachdem es Rekorde für das meistgesehene Youtub -Video brach, konzentriert sich die Version aus Gaza auf die schrecklichen Realitӓten des Lebens der Palӓstinenser unter der israelischen militӓrischen Besetzung und unter der jahrelangen erstickenden Belagerung des Streifens.

"Wir wollten der Aussenwelt zeigen, dass wir unter unmӧglichen Umstӓnden leben,  dass unser Flughafen zerstӧrt wurde, unseren Fischern der Zugang zum Meer blockiert wird, dass die Hӓlfte der Bevӧlkerung arbeitslos ist, dass wir Tunnel benutzen anstatt von Grenzübergӓngen, und Esel, weil das Benzin knapp ist."

Die Version des koreanischen Tanzvideos aus Gaza gibt Einblicke in Gazas dringensten Probleme unter der Belagerung, tӓgliche Stromausfӓlle, Benzinknappheit, Mangel an Bewegungsfreiheit und Arbeitslosigkeit. In schwarzer Kleidung, einen traditionellen schwarz-weissen Kufiyah (Tuch)um den Kopf, tanzen fünf Mӓnner und zwei Kinder eine Fusion von Gangnam – Stil und Dabke, dem energischen Tanz, den man in vielen arabischen Lӓndern findet.

"Wenn wir In unserem Video zeigen, wie die Belagerung und die israelische Besetzung sich auf unser Leben auswirken, halten wir gleichzeitig unsere Hӓnde überkreuzt vor uns, als Symbol für die palӓstinensischen Gefangenen in israelischen Gefӓngnissen, "sagt Barakat.

Das viereinhalb Minuten lange Video zeigt Gazas Küste, die tӓglich mit 90 Millionen Liter unbehandeltem Abwasser verschmutzt wird, benzinlose Tankstellen und Tunnel,die als Grenzübergӓnge dienen und Baumaterial in den von Israels Bombardierungskampagnen zerstӧrte Streifen bringen.

Die theatralische Bombenexplosions des originalen Gangnam Style Videos hat einen viel angemesseren Platz in der Version aus Gaza: Nach zwei grossen israelischen Angriffen auf den Küstenstreifen in den vergangenen vier Jahren und weiteren israelischen Angriffen zuvor und dazwischen, sind Gazas Palӓstinenser nur allzu vertraut mit Bomenabwürfen.

Wassim abu Shabaan, 10, ist eines der Kinder im Video. Er ist eines von Tausenden von Palӓstinensern in Gaza, deren Hӓuser durch Israels Bomben und Bulldozer zerstӧrt wurden. "Das ganze Haus wurde zerstӧrt, alles wurde zerstӧrt...unser Computer, mein Zimmer, unsere Kleider, alles", sagt der Junge über die Bombardierung seines Hauses 2009.

"Palӓstinensische Kinder kӧnnen den Unterschied zwichen einem F-15 und F-16 Kampfflugzeug erkennen, zwischen mit Raketen bewaffneten Drohnen und Ueberwachungsdrohnen, einfach am Gerӓusch," sagt Mohannan Barakat.

"Wir haben Kinder in das Video einbezogen, damit die Leute verstehen, dass sie allen Schwierigkeiten und Gefahren des Lebens hier in Gaza ausgesetzt sind."

"Unsere Kinder haben nirgendwo Platz zum Spielen." Sie spielen in den Strassen, in den Gassen der Lager... die wenigen Parks die es hier gibt, müssen renoviert werden oder wurden durch israelische Bombenangriffe beschӓdigt, wie der Barcelone Park in Tel elHowa, der von israelischen Bulldozern im Krieg auf Gaza 2008-2009 zerstӧrt wurde.

Bei den israelischen Angriffen im November 2012 auf Gaza bombardierten israelische Kampfflugzeuge das Palӓstinastadium, eines der wenigen Sportveranstaltungsstӓtten und ein Ort, wo Athleten mit Behinderungen tranierten.

Gangnam Gaza zeigt die Schӓden, wenn die fünf Mӓnner und zwei Kinder das Stadium mit Fussbӓllen in der Hand betreten und es in Ruinen vorfinden.

Das Gaza Community Mental Health Programme fand 2009, dass über 91% der Kinder in Gaza unter mӓssigem bis schwerem PTBS leiden. Von den 1,7 Millionen Menschen in Gaza sind etwa die Hӓlfte Kinder.

"Ein grosser Prozentsatz der Kinder in Gaza, selbst Teenager, haben Angstzustӓnde und PTBS. haben Probleme mit Bettnӓssen, Alptrӓume und wachen schreiend auf... Weil Israels Bombenangriffe oft nachts stattfinden, assoziieren viele Kinder die Dunkelheit (und Stromausfӓlle) mit Gefahr und der Angst vor den Bomben," sagt Mohannad Barakat. "Wir alle leben unter den Auswirkungen der Belagerung und den verschiedenen israelischen Krigen auf Gaza. Wir haben alle psychologische Probleme als Folge dieser Umstӓnde. Wir waren noch nicht vom Krieg von 2006 wiederhergestellt, als der Angriff 2012 erfolgte."

Gazas Infrastruktur wurde nach den Angriffen und der Belagerung noch nicht wiederaufgebaut, Krankenhӓuser berichten vom anhaltenden Mangel an notwendigen Arzneimitteln und Gazas Schulen sind so überfüllt, dass die Mehrheit der Schulen in zwei oder drei Schichten unterrichten.

Seit 2006, als Israel Gazas einziges Stromwerk bombardierte, lebt der ganze Streifen unter tӓglichen Stromausfӓllen; in den schlimmsten Jahren gab es 18 bis 20 Stunden tӓglich keinen Strom, zur Zeit gibt es geplante Stromausfӓlle alle acht Stunden.

"Wir leben im 21sten Jahrhundert und Gaza hat fast keine Elektrizitӓt," sagt Barakat. "Der Gebracuh von Kerzen und Generatoren im Haus wӓhrend der Stromausfӓlle hat in den letzten Jahren zahlreiche Brӓnde und Todesfӓlle durch Kohlenmonoxidvergiftung verursacht."...

Die Arbeiter in Hunderten von Tunneln zwischen Gaza und Ägypten gehӧren zu den ӓrmsten Bewohnern Gazas. Im Juni 2012 berichtete die Uno, dass seit 2007 mindestens 172 palӓstinensische Zivilisten bei der Arbeit in den Tunneln getӧtet wurden.

Von den sieben Mӓnnern, Mohannad Barakat, 30; Walid Abu Shabaan, 26; Walid Afghani, 25; Mohammed Abu Shabaan, 24; Adham al Najjar, 29; Ahmed Aqleem, 20; Mohammed Barakat, 29, die das Video zusammenstellten, haben die meisten studiert, aber beinahe alle sind arbeitslos: "Die Arbeitslosigkeit in Gaza ist hӧher als weithin bekannt, mindestens 60% der arbeitsfӓhigen Bevӧlkerung sind arbeitslos," sagt Barakat.

"Ein Israeli hat zu unserem Video gesagt, dass Gaza neue Autos hat, schӧne Hӓuser, reiche Leute... dass wir nicht wirklich die Realitӓt in Gaza zeigen. In Wirklichkeit ist die Situation schlimmer als das, was wir zeigen, " so Barakat.

"Das Problem der Arbeitslosigkeit wurde nicht gelӧst, nicht das Problem der Stromausfӓlle, der politischen Gefangenen, der Grenzübergӓnge... Welche Blockade wurde aufgehoben? Selbst die Grenze bei Rafah ist nicht vollkommen offen. Viele Menschen kӧnnen nicht über die Grenze, es ist nicht erlaubt. Mein Pass wurde zweimal an der ӓgyptischen Grenze zurückgewiesen, auch der meiner Freunde. Es gibt keine Regeln an der Grenze, die Ägypter machen, was sie wollen. Nicht jeder kann ein Bestechungsgeld von 200 Dollar an die ӓgyptische Grenzbehӧrde bezahlen um Durchzureisen

Im September 2012 schrieb Robert Turner, der Direktor des UN-Flüchtlingshilfswerks für Palästina in Gaza, in der britischen Zeitung The Guardian:" Man muss den Menschen in Gaza erlauben, dass sie den von ihnen angestrebten Standard der Entwicklung und des wirtschaftlichen Erfolges geniessen kӧnnen. Sie sind zur Selbtsversorgung fӓhig. Wir sollten die Ursachen dieser drohenden Katastrophe ansprechen anstatt zu erwarten, dass die internationale Gemeinschaft dafür bezahlen muss, die zerstӧrerischen Folgen zu mildern."

Im Juni 2012 sagte Valerie Amos, die UN-Nothilfekoordinatorin: "Was vorliegt, ist eine kollektive Bestrafung aller in Gaza lebenden Menschen und eine Verweigerung von grundlegenden Menschenrechten in Verletzung des internationalen Rechtes."

Das Gangnam Style Gaza Video wurde innerhalb von zwei Wochen gefilmt, meist mit der Kamera eines Handys, und die Produktionskosten belifen sich auf 100 Dollar. "In der Hauptsache für Taxis und Telefomkarten,: sagt Barakat.

Siehe: Eva, Bartlett, Gangnam Gaza Style: on the siege, Palestinian Prisoners, Palestinian Pride; www.countercurrents.org/bartlett180213.htm

PCHR Condemns the Israeli Forces' Assaults on Palestinian Fishermen in Gaza Waters, IMEMC, 19. Februar 2013

Zusammenstellung und Übersetzung Martina Lauer

 

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